Karl Schlögel hat in seinem wissenschaftlichen und literarischen Werk immer wieder gezeigt, dass Erinnerung die Voraussetzung für Frieden ist. Ob in „Das sowjetische Jahrhundert“, „Terror und Traum“ oder zuletzt „Der Duft der Imperien“: Schlögel legt die vielschichtigen Geschichten Europas offen – mit besonderem Augenmerk auf jene Menschen und Regionen, die durch Krieg, Terror und Vertreibung entwurzelt wurden. Seine Texte geben den namenlosen Opfern eine Stimme und machen deutlich, dass Vertreibung kein Randthema, sondern ein Kern europäischer Erfahrung ist.
Für das Zentrum gegen Vertreibungen war Karl Schlögel ein wichtiger Ideengeber. Bereits 2012 wurde er mit dem Franz-Werfel-Menschenrechtspreis der Stiftung ausgezeichnet. Die Jury des Franz-Werfel-Menschenrechtspreises würdigte damit, so heißt es in der Laudatio, „dass er sich in seiner langjährigen Tätigkeit als Wissenschaftler und Publizist mit dem Thema Vertreibung der Deutschen intensiv beschäftigt und diesem Thema eine neue Betrachtungsweise eröffnet hat. Als er das Thema Vertreibungen aufgriff, verlangte er, die Geschichte der Vertreibung nicht nur in einem europäischen Zusammenhang zu sehen und zu verstehen, sondern vor allem auch die betroffenen Deutschen zu einem Teil dieser Vertreibungsgeschichte zu machen.“
Mit der Verleihung des Friedenspreises an Karl Schlögel erfährt die Geschichte und die Gegenwart gleichermaßen einen besonderen osteuropäischen Fokus. Aus seinem historischen Blickwinkel auf Russland und die osteuropäische Geschichte hat Schlögel früh vor der aggressiven Expansionspolitik Putins gewarnt und in seinen Statements zur Unterstützung der Ukraine aufgerufen. Wir danken dem Preisträger für seine unermüdliche wissenschaftliche Arbeit und seine klaren Positionen zum Angriff auf die Ukraine.

