ZgV - Zentrum gegen Vertreibung

In Lagern - Schicksale deutscher Zivilisten im östlichen Europa 1941-1955

Die Ausstellung möchte ein in der Öffentlichkeit wenig bekanntes Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte in das Bewusstsein von heute holen: Die Verschleppung deutscher Zivilisten in den damaligen deutschen Ost- und Siedlungsgebieten sowie ihre Internierung in Lager. Diese Vorgänge sind Teil des großen Vertreibungsgeschehens, das die Deutschen im östlichen Europa während und nach dem Zweiten Weltkrieg traf. Sie umfassen auch die Deportation und die Zwangsarbeit der Deutschen in der Sowjetunion.

 

Die Ausstellung der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen ist der fünfte Teil der Wanderausstellungsreihe und nimmt das besondere Schicksal der dort verbliebenen Zivilbevölkerung in den Fokus – meist Frauen, Jugendliche, Kinder und alte Menschen. Deren Internierungen fanden als Massenphänomen im rechtsfreien Raum statt – ohne individuelle Anklage oder Urteil.

 

Aus Sicht der sowjetischen Siegermacht stellte die Arbeitskraft der deutschen Zivilpersonen eine Form der zu leistenden Reparationen dar. Die westlichen Verbündeten der Sowjetunion, die USA und Großbritannien, hatten keine prinzipiellen Einwände gegen ihren zwangsweisen Einsatz. Denn durch den Zweiten Weltkrieg hatte die Sowjetunion starke Zerstörungen und hohe Verluste an Menschenleben erlitten. Zudem war die Ausbeutung von menschlicher Arbeitskraft zum Aufbau der Sowjetunion als Wirtschaftsmacht schon längst Praxis.

 

Die Ursachen von Deportation und Ausbeutung deutscher Zivilisten stehen im engen Zusammenhang mit den vorausgegangenen Verbrechen des NS-Regimes an den Menschen in vielen Völkern Europas. Neben vielen Millionen Kriegstoten sind schätzungsweise 12-14 Millionen Menschen durch verbrecherische Maßnahmen und die Vernichtungs- und Rassenpolitik des nationalsozialistischen Regimes zu Tode gekommen.

 

Die deutsche Führung zwang während des Krieges Zivilpersonen aus allen von Deutschland besetzten Ländern zu Arbeitsleistungen und setzte auch Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit ein. Von 1939 bis 1945 wurden so geschätzt etwa 12 Millionen Zwangsarbeiter zur Aufrechterhaltung der NS-Diktatur ausgebeutet. Dabei kamen schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen ums Leben.

 

Im Zuge der Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands 1945 wurden über eine Million deutscher Zivilisten in Lager verschleppt. Sie stammten aus den damaligen deutschen Ostgebieten, aus Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien, aber auch aus der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR. Innerhalb der Sowjetunion wurden die Deutschen an der Wolga und in anderen Siedlungsgebieten bereits nach dem Überfall durch die Wehrmacht 1941 zunächst in Gebiete östlich des Urals deportiert. Die Gesamtzahl der deportierten Deutschen innerhalb der Sowjetunion wird auf rund 1,1 Millionen Menschen geschätzt.

 

Die Ausstellung will das Schicksal der Betroffenen ins öffentliche Bewusstsein bringen. Sie beschreibt die politische Ausgangssituation, die Motive für die Lagerbildung, die verschiedenen Lager sowie die dortigen Lebensbedingungen. Mit Zitaten von Zeitzeugen und deren Erinnerungen in dokumentarischer und literarischer Form macht die Ausstellung das persönliche Empfinden erlebbar. Der Schlussteil der Ausstellung ist der Aufarbeitung dieses Themas in den betreffenden Staaten gewidmet und zeigt auf, wie durch unterschiedliche Initiativen, auch der Betroffenen, Wege zur Verständigung über Grenzen und Nationalitäten hinweg gesucht und gefunden werden.

 

Die Ausstellung "In Lagern - Schicksale deutscher Zivilisten im östlichen Europa 1941-1955" wird am 21.10.2018 in der Frankfurter Paulskirche, im Anschluss an die Verleihung des Franz-Werfel-Menschenrechtspreises, die um 12.00 Uhr beginnt, eröffnet. Sie wird in der Paulskirche bis zum 4.11.2018 zu sehen sein. 

 

Öffnungszeiten Frankfurter Paulskirche:

Montag bis Sonntag 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr