ZgV - Zentrum gegen Vertreibung
< Ansprache anlässlich der Verleihung des Franz-Werfel-Menschenrechtrspreises am 6. November 2016 in der Paulkriche, Frankfurt am Main
10.11.2016 08:42 Alter: 257 days
Kategorie: Aktuelles

Großes Interesse an „Orte, die es nicht mehr gibt“

Erfolgreiche Ausstellungseröffnung des ZgV im Kronprinzenpalais


Bei der Ausstellungseröffnung (v.l.n.r.): Dr. Gundula Bavendamm, Dr. Philipp Lengsfeld MdB, Milan Horáček, Dr. Hans-Gert Pöttering, Wilfried Rogasch, Erika Steinbach MdB, Bernd Neumann und Klaus Brähmig MdB.

Unter großem Besucher- und Medieninteresse wurde am 8. November 2016 im Kronprinzenpalais Berlin die neue Ausstellung der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen (ZgV) „Verschwunden – Orte, die es nicht mehr gibt“ eröffnet.

 

In ihrer Begrüßung wies die ZgV-Vorsitzende und Ausstellungsinitiatorin Erika Steinbach MdB darauf hin, dass die vielfältigen Ursachen des Verschwindens tausender Dörfer, Städte, Kirchen, Bauernhöfe, Schlösser, Fabriken oder Industrieanlagenleben sowie Friedhöfe, Denkmäler, Standbilder oder Inschriften in den Gebieten, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges von Deutschen besiedelt waren, im Verschwinden der Menschen, in Flucht und Vertreibung zusammenflössen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges hätten viele Betroffene die Bezugspunkte in der Heimat nicht mehr oder nur noch mit Mühe entdecken können. Dieses erneute traumatische Ereignis bezeichnete Steinbach als „eine Art zweite Vertreibung“. In diesem Zusammenhang lobte die ZgV-Vorsitzende grenzüberschreitende Initiativen bzw. Aktivitäten in den jeweiligen Ländern, die darauf ausgerichtet sind, solche verschwundenen Orte dem Vergessen zu entreißen. Auch daher sei ihr die Ausstellung, die in einer „historischen Spurensuche“ diesem Untergang exemplarisch nachspüre und der Erinnerung eine Form verleihe, ein Herzensanliegen gewesen.

 

Ausstellungskurator Wilfried Rogasch, der auch schon die bisherigen Ausstellungen des ZgV mitbetreut hatte, stellte das Ausstellungskonzept vor und erläuterte kurz die im Arbeitsprozess deutlich gewordenen, sehr unterschiedlichen Ursachenkomplexe für das Verschwinden der vorgestellten Orte.

 

„Gibt’s kein höheres Übel doch als den Verlust der Heimat.“ Mit diesem einprägsamen Zitat aus Euripides‘ Medea begann Dr. Hans-Gert Pöttering, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und ehemaliger Präsident des Europäischen Parlamentes, seine Festrede zur Ausstellungeröffnung. Rund zweieinhalbtausend Jahre alt sind diese Worte. Sie legen Zeugnis davon ab, dass die Themen Vertreibung und Heimatverlust die Menschheit nicht nur in der Gegenwart, in der jüngeren Vergangenheit oder in niedergegangenen Hochkulturen, sondern wohl schon seit Anbeginn der Zivilisation umtreiben. In den verschwundenen Orten – ihren Überbleibseln, ihrer oft bildlich dokumentierten Vergangenheit oder der Erinnerung daran – sah Pöttering ähnliche Zeugnisse.

 

Ausgehend davon machte Pöttering in seiner Rede deutlich, dass solche und ähnliche Menschenrechtsverletzungen nach wie vor unbedingt geächtet und in internationaler Anstrengung verhindert werden müssen. Außerdem gelte es, den oft zu beobachtenden Kreislauf aus Unrecht und Rache zu durchbrechen. Den deutschen Heimatvertriebenen sei dies mit ihrer 1950 verabschiedeten Charta beispiellos gelungen. Ihr Bekenntnis zu Frieden, zu Europa und ihr Beitrag zum Wiederaufbau habe die positive Nachkriegsentwicklung entscheidend mit ermöglicht.

 

Den ersten Rundgang durch die Ausstellungsräume nutzte die ZgV-Vorsitzende für einen Dank an die Ausstellungsmacher Wilfried Rogasch, Angélique Furtwängler (Architektur), Simone Schulz und André Kazenwadel (Gestaltung), Anja Galinat (Lektorat) sowie die Produktion der filmischen Spurensuche. Die Verantwortlichen waren selbst anwesend und beantworteten zahlreiche Fragen der Besucher.

 

Herzlich bedankte sich Steinbach auch für die Mitarbeit der Zeitzeugen, insbesondere bei Prof. Siegfried Matthus und dem Bundeskulturreferenten der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, sowie bei den vielen Vertriebenen, die ihre privaten Bild- und Dokumentenarchive bereitwillig für die Recherche geöffnet hatten. Prof. Matthus zeigte sich sichtlich bewegt von der Ausstellung, die einen wichtigen Beitrag zur Erinnerung auch an die verschwundene Vergangenheit leiste. Ausdrücklich lobte er, dass die Jugend länderübergreifend immer mehr Interesse an Flucht und Vertreibung sowie der deutschen Geschichte ihrer jeweiligen Heimat zeige.

 

Unter den Besuchern der Ausstellungseröffnung waren u.a. auch der ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister a.D. Bernd Neumann, die Direktorin der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, Dr. Gundula Bavendamm, Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer, die Bundestagsabgeordneten Klaus Brähmig und Dr. Philipp Lengsfeld sowie BdV-Vizepräsident Oliver Dix und BdV-Präsidiumsmitglied Milan Horáček.

 

Bis zum 8. Januar 2017 wird die Ausstellung von Montag bis Mittwoch zwischen 10 und 18 Uhr und von Donnerstag bis Sonntag zwischen 12 und 20 Uhr im Kronprinzenpalais für Besucher geöffnet sein. Die Eintrittspreise betragen 5 Euro, ermäßigt 2 Euro. Nach vorheriger Absprache können Führungen organisiert werden.