ZgV - Zentrum gegen Vertreibung
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17.04.2015 12:53 Alter: 3 yrs
Kategorie: Aktuelles

Vertreibung und Massaker an den Armeniern war Völkermord

Bundesregierung muss Zurückhaltung aufgeben


Vor 100 Jahren begann der Völkermord an den Armeniern. Hierzu erklärt die Vorsitzende der Stiftung ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN (ZgV) Erika Steinbach MdB:

 

Am 24. April 1915, vor 100 Jahren, veranlasste die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reiches die Verhaftung, Deportation und Ermordung armenischer Künstler, Schriftsteller, Politiker und weiterer Repräsentanten des öffentlichen Lebens in Konstantinopel. Dieser Tag ist zum Gedenktag geworden an jenen Völkermord, der das armenische Leben, die gesamte Kultur und Geschichte der Armenier im Osmanischen Reich beendete. Zwischen 300.000 und 1,5 Mio. Armenier, aber auch Aramäer, Assyrer und Griechen wurden bis 1918 ermordet. Dieser Genozid war der erste in einem Jahrhundert, in dem „ethnische Säuberungen“ zum politischen Prinzip erhoben wurden.

 

Die Grausamkeiten der damaligen Zeit blieben nicht lange im Dunkeln. Im deutschsprachigen Raum war es Franz Werfel, der sich als einer der ersten literarisch-historisch mit dem furchtbaren Schicksal der Armenier auseinandersetzte und diesem mit seinem Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ eindrucksvoll ein Denkmal setzte. Aus diesem Grund hat das ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN seinen Menschenrechtspreis nach dem Schriftsteller benannt. Der erste „Franz-Werfel-Menschenrechtspreis“ wurde 2003 Dr. Mihran Dabag für dessen Arbeiten zur Genozidforschung und zur Geschichte der Armenierverfolgung verliehen.

 

Viele Staaten weltweit haben – unterstützt von international renommierten Historikern – die damaligen Ereignisse als Genozid anerkannt, darunter Frankreich, Italien und die Niederlande. Zuletzt hat auch Papst Franziskus in einer gemeinsamen Messe mit armenischen Gläubigen vom „ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts“ gesprochen.

 

 Schon aufgrund unserer eigenen deutschen Geschichte muss uns daran gelegen sein, dass die Opfer dieses traumatischen Genozids nicht in Vergessenheit geraten. Es ist unsere Pflicht, dafür einzutreten, dass solche Ereignisse stets von der Völkergemeinschaft verurteilt und wirksam verhindert werden.

 

Vor diesem Hintergrund ist es endlich an der Zeit, die Zurückhaltung aufzugeben und den Völkermord an den Armeniern auch offiziell anzuerkennen und als solchen zu benennen. Die deutsche Menschenrechtspolitik steht ansonsten auf dem Spiel.