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ERZWUNGENE WEGE
Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts
Ausstellungseröffnung am 10. August 2006

Unser wirksames europäisches Netzwerk macht die Ausstellung möglich

Zur Eröffnung der Ausstellung "Erzwungene Wege, Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts" des ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN am 10. August 2006 im Berliner Kronprinzenpalais erklärt die Vorsitzende Erika Steinbach MdB:

Seit dem 6. September 2000 gibt es das ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN (ZgV) als gemeinnützige Stiftung der deutschen Heimatvertriebenen. Das ZgV hat die Aufgabe, mit einem Dokumentationszentrum Ort der Mahnung zu sein und Vertreibung als Mittel von Politik jedweder Art weltweit zu ächten.

Vier gleichrangige Schwerpunkte hat der Bund der Vertriebenen als Stiftungsgründer gesetzt:

Zum einen soll in einem Gesamtüberblick in Berlin das Schicksal der vielen Millionen deutschen Deportations- und Vertreibungsopfer erfahrbar gemacht werden. Dazu gehören neben dem Leidensweg insbesondere auch die Siedlungsgeschichte und das kulturelle Erbe als Teil des gesamtdeutschen Kulturgutes und einer gesamtdeutschen Identität.

Zum anderen sollen die Veränderungen und die Schwierigkeiten Deutschlands durch die Integration Millionen entwurzelter Landsleute ausgeleuchtet werden. Das Haus der Geschichte hat dazu mit der Ausstellung "Flucht, Vertreibung, Integration" einen guten Ansatz gefunden, der sich gemeinsam weiterentwickeln lässt.

Diese beiden Aufgabenstellungen gehören in den Bereich des Selbstverständlichen eines Volkes. Die Selbstvergewisserung um die eigene Herkunft, die Kenntnis um die schwierigen und traumatischen Lebensläufe der Betroffenen und ihre Selbstüberwindung, ausgerichtet auf ein versöhntes Europa, helfen bei der Bewältigung der Zukunft.
Beide Stiftungsaufträge sind aber nicht Kern der heute beginnenden Ausstellung, sondern bleiben einer dauerhaften Dokumentationsstätte in Berlin vorbehalten.

Die beiden weiteren Aufgaben sind seitens eines Opferverbandes nicht selbstverständlich, denn sie betreffen primär nicht das eigene Schicksal, sondern sie werden getragen von der Solidarität mit anderen Opfern.

Dazu gehört der Franz-Werfel-Menschenrechtspreis. Mit ihm werden alle zwei Jahre Personen ausgezeichnet, die sich insbesondere gegen die Verletzung von Menschenrechten durch Völkermord, Vertreibung und die bewusste Zerstörung nationaler, ethnischer oder religiöser Gruppen gewandt haben.

Die heute beginnende Ausstellung und die nächsten drei Monate widmen sich der schwergewichtigen Aufgabe, den Blick auf die vielfältigen Vertreibungen in Europa und seinen Grenzgebieten im 20. Jahrhundert zu öffnen. Sie ist keine Ausstellung, die Totalitarismus und Nationalsozialismus zum Kernthema hat, da Vertreibungen nicht nur in solchen Systemen oder als Folge solcher Systeme erfolgten, sondern durchaus auch in vermeintlich zivilisierten Herrschaftsformen oder gar durch den Völkerbund. Der jeweilige Kontext ist wesentlich.

Viele der Geschehnisse sind in Vergessenheit geraten. Wir wollen mit unserer Stiftung, beginnend mit dieser Ausstellung, die Vertreibungsopfer dieser Vergessenheit entreißen. Wir wollen ihnen Fürsprecher sein. Alle Opfer von Genozid und Vertreibung brauchen einen Platz im historischen Gedächtnis Europas. Von Anbeginn gehörte der europäische Blick zu den Anliegen unserer Stiftung. Das hat dazu beigetragen, dass zahlreiche renommierte Persönlichkeiten unser Arbeit unterstützen.

Unsere temporäre Ausstellung im Kronprinzenpalais durchmisst zeitlich in Fallbeispielen das 20. Jahrhundert. Darin wird ein Überblick auf unterschiedliche Erscheinungsformen von Vertreibung gegeben, die alle eines gemeinsam haben: man will sich missliebiger Bevölkerungsteile entledigen. Es werden auch historische Vorgänge dargestellt, die kaum bekannt sind. Nicht wenige Nationen stellten im Kontext der Vertreibungen sowohl Opfer als auch Täter, zeitlich versetzt oder sogar gleichzeitig. Mehr als 30 Völker Europas haben in diesem Zeitraum als Ganzes oder in Teilen ihre Heimat verloren.

In dieser Ausstellung werden durch ausgewählte Beispiele gemeinsame, aber auch unterschiedliche Ursachen, Wirkungen und Folgen von Vertreibung dokumentiert. Dabei wendet sie sich gegen Thesen von Kollektivschuld und Kollektivstrafe, so wie es das Völkerrecht einfordert. Es gibt keine Gewichtung der Leiden jedes einzelnen Betroffenen. Vielmehr gilt das Postulat der unteilbaren Humanitas.

Insgesamt ist diese Ausstellung singulär. Nichts Vergleichbares hat es bislang gegeben. Weder in Deutschland noch irgendwo anders in Europa.

Die Ausstellung mit allen ihren Exponaten war nur deshalb möglich, weil das ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN ein enges und wirksames europäisches Netzwerk von Wissenschaftlern und Betroffenen aufgebaut hat.

Und sie war deshalb möglich, weil Peter Glotz und ich einen besonders guten Griff bei der Auswahl der Kuratoren hatten. Wilfried Rogasch, Katharina Klotz und Doris Müller-Toovey haben in 18 Monaten eine unglaubliche Leistung vollbracht. Sie waren quer durch Europa unterwegs und haben mit Kompetenz und Überzeugungskraft Türen geöffnet. Ihre ideale Ergänzung fanden wir mit dem Ausstellungsarchitekten Bernd Bess. Wir haben 80 Leihgebern aus 14 Nationen für die insgesamt 280 Objekte zu danken, die in der Ausstellung gezeigt werden.

Im gegenüberliegenden Deutschen Historischen Museum ist zur Zeit noch die Vertreibungsausstellung des Hauses der Geschichte zu sehen. Ich halte diese Parallelität zu unserer Ausstellung für einen Glücksfall. Beide Ausstellungen sind höchst unterschiedlich. Aber beide Gedankenwelten können wesentliche Elemente für ein qualitätvolles Dokumentationszentrum in Berlin sein.

Eines machten die Diskussionen der Vergangenheit zum Thema Vertreibung deutlich: Eine homogene europäische Vertreibungserinnerung ist kaum möglich. Claus Leggewie hat sehr treffend prognostiziert, dass am Ende "jedes Land die Vertreibungsdiskussion startet, in der es sich 'findet' – und so doch alle gemeinsam und doch anders an einer gesamteuropäischen Erinnerung schreiben". Mit dieser Ausstellung wollen wir dazu beitragen.

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