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Fakten / Hintergründe
Geschichte der deutschen Vertriebenen und ihrer Heimat
Die
Deutsch-Balten
Seit dem 12. Jahrhundert siedelten Deutsche im Gebiet der heutigen
Republiken Lettland und Estland (vom historischen Livland gehört heute der nördliche
Teil zu Estland, der südliche mit der Hauptstadt Riga zu Lettland). Deutsche,
Missionare, Ordensritter und Kaufleute kamen im Zuge der Christianisierung der
dort ansässigen Esten und Liven (mit den Finnen verwandt) und den baltischen
lettischen Stämme (mit Litauern und Prußen verwandt) ins Land. Der 1202 in Riga
gegründete Schwertbrüderorden ging 1236 im Deutschen Orden auf, der das gesamte
Gebiet Alt-Livlands eroberte.
Das historische Livland stieg auf im Schutz der Kirche und der
Hanse und gehörte fast 350 Jahre zum Hl. Römischen Reich. Als Folge der Einführung
der Reformation zerfiel der Ordensstaat 1561 in die Provinzen Estland, Livland,
Ösel und Kurland. In den kommenden Jahrhunderten blieben die Deutschen unter
teil- und zeitweise polnischer, dänischer, schwedischer und seit 1710 (Estland
und Livland) bzw. 1795 (Kurland) russischer Oberhoheit die gesellschaftlich,
wirtschaftlich, kulturell und politisch führende Schicht.
Nach der Russischen Revolution 1917 und dem Zusammenbruch des
Russischen und des Deutschen Kaiserreiches beteiligten sich die Deutschbalten
1918/20 aktiv am Freiheitskampf der baltischen Völker gegen die Rote Armee,
in Lettland in der Baltischen Landeswehr, in Estland im Baltenregiment.
Nach Entstehung der Republiken Estland (Unabhängigkeitserklärung
24.2.1918) und Lettland (18.11.1918) büßten die Deutschen ihre Führungsrolle
ein und lebten fortan als nationale Minderheiten wie auch Russen oder Juden
neben den namengebenden Völkern. Ihre wirtschaftliche Stellung wurde durch weitgehende
Enteignung des Großgrundbesitzes sehr geschwächt und viele, vor allem aus den
ländlichen Gebieten, wanderten ins Deutsche Reich ab.
Bei den Wahlen zur lettischen Saeima (Parlament) gewannen die
Deutschen zwischen 1920 und 1931 meistens sechs, bei der Wahl zum estnischen
Riikogu (Staatsversammlung) zwischen 1919 und 1932 zwischen zwei und vier Parlamentsmandate.
1939 lebten in Estland noch 23.000 (zwei Prozent der Bevölkerung), in Lettland
noch 64.000 Deutsche (3,2 Prozent), davon über 60 Prozent in Riga.
Infolge des Hitler-Stalin-Pakts vom 23.8.1939, der Estland, Lettland
und Litauen den Sowjets auslieferte, schloß Deutschland mit Estland am 15. Oktober
und mit Lettland am 30. Oktober Abkommen über die Umsiedlung der Deutschen ab.
Zwar bestand theoretisch ein Optionsrecht zum Verbleib, aber angesichts der
unmittelbar drohenden - und im Juni 1940 vollstreckten - sowjetischen Annexion
der unabhängigen baltischen Republiken entschied sich die übergroße Mehrzahl
der estländischen und lettländischen Deutschen zur Umsiedlung.
Im Spätherbst/Winter 1939/40 verließen insgesamt 13.700 Deutsche
Estland und 51.000 Lettland. Bei der sogenannten "Nachumsiedlung"
im Frühjahr 1941 folgten 7.000 aus Estland und 10.500 aus Lettland. Etwa 5.000
der Nachumsiedler wurden als "Nichtdeutsche" bezeichnet. Die Ansiedlung
erfolgte in den annektierten polnischen Teilen Westpreußens und im sogenannten
Warthegau. Viele tausend Deutschbalten sind im Krieg gefallen oder Opfer von
Treck und Flucht geworden
Ab Januar 1945 teilten sie das Vertreibungsschicksal aller anderen
Ostdeutschen. Bei Flucht und Vertreibung verlor dann fast jeder fünfte Deutsche
aus dem Baltikum das Leben oder blieb bis heute vermißt.
1950 lebten in Westdeutschland über 40.000, in der DDR etwa 10.000
Deutsch-Balten, von denen viele in den folgenden Jahren nach Westdeutschland
geflüchtet sind. Mehrere Tausend wanderten nach Übersee aus.
Im November 1950 trafen sich Vertreter der schon bestehenden Länderlandsmannschaften
und weitere baltischer Organisationen in Treysa (Hessen) und gründeten die Deutsch-Baltische
Landsmannschaft im Bundesgebiet, deren erster Sprecher, Axel de Vries, einer
der maßgeblichen Verfasser der "Charta der deutschen Heimatvertriebenen"
war.
Der langjährige 1. Vorsitzende der Landsmannschaft, Georg Baron
von Manteuffel-Szoege, war als Gründer der Vereinigten Ostdeutschen Landsmannschaften
1957/ 58 einer der beiden gleichberechtigten Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen.
Heute hat die Landsmannschaft ihren Sitz in der Stadt Darmstadt,
die auch seit 1962 der Pate der Deutsch-Balten ist. 1990 übernahm auch das Land
Hessen eine Patenschaft über die Deutsch-Baltische Landsmannschaft.
Die
Banater Schwaben
Das Banat wird begrenzt durch mittlere Donau, Theiß, Marosch
und die Ostgrenze Siebenbürgens. Durch den Frieden von Passarowitz (1718) ging
es von den Osmanen an die Habsburger über, bis 1778 blieb es Krondomäne unter
eigener Verwaltung, dann fiel es an Ungarn.
Die Banater Schwaben kamen wie die anderen donauschwäbischen Siedler
(siehe Donauschwaben) im Zuge der planmäßigen Kolonisierung des Donauraums durch
die Habsburger nach dem Ende der Türkenherrschaft in den 1720er Jahren. Um 1900
wanderten etwa 90.000 Schwaben nach Übersee aus. 1910 stellten 388.000 Deutsche
24,5 Prozent der Bevölkerung des ungeteilten Banat.
Nach dem Ersten Weltkrieg mußte Ungarn 1920 im Frieden von Trianon
den größten Teil des Banats (19.000 qkm) an Rumänien abtreten (9.000 qkm fielen
an das "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenien",ab 1929: Jugoslawien,
nur 270 qkm verblieben bei Ungarn). Ein "Schwäbischer Nationalrat",
der sich im Dezember 1918 gebildet und zu den Friedensverhandlungen nach Paris
eine eigene Delegation entsandt hatte, konnte die Teilung des Banat nicht verhindern.
Obwohl in den Jahren 1921-30 42.000 Schwaben aus wirtschaftlichen
Gründen aus dem rumänischen Banat nach Übersee ausgewandert waren, lebten 1930
275.000 Deutsche dort, stellten ein Fünftel der Banater Bevölkerung und waren
damit noch vor den Siebenbürger Sachsen (237.000) die größte Gruppe unter den
insgesamt damals 745.000 in Rumänien gezählten Deutschen. Sie wurden im allgemeinen
nicht diskriminiert, weil man in ihnen innere Verbündete gegen die separatistischen
Ungarn sah.
Nach dem Übergang Rumäniens in das Lager der Alliierten im August
1944 und vor dem Einmarsch der sowjetischen und jetzt mit diesen verbündeten
rumänischen Truppen konnten etwa 70.000 Banater Schwaben evakuiert werden oder
flüchteten nach Österreich und Deutschland. Im Januar 1945 wurden 40.000 zur
Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt, von denen wenig mehr als die Hälfte
zurückkehrte. Bezogen auf die Gesamtzahl der Rumäniendeutschen ist davon auszugehen,
daß im Krieg als rumänische oder deutsche Soldaten, bei der Flucht, dem Einmarsch
sowjetischer und zum Teil jugoslawischer Einheiten und den folgenden Repressionen
fast 50.000 Schwaben umgekommen sind.
1948 wurden im rumänischen Banat 170.000 Deutsche gezählt. 1951
wurden 10.000 von ihnen zusammen mit anderen Volksgruppen und rumänischen "Klassenfeinden"
aus den unmittelbar an Tito-Jugoslawien grenzenden Gebieten in die Baragan-Steppe
in Südostrumänien deportiert.
In den folgenden Jahrzehnten sind in Folge der bis 1989 schweren
und schikanösen Lebensbedingungen Zehntausende nach Deutschland ausgesiedelt.
Nach dem Ende der Ceausescu-Diktatur verließen von 1989 bis 1991 über 160.000
Deutsche Rumänien, etwa die Hälfte dürfte aus dem rumänischen Banat stammen.
Heute leben nur noch wenige 20-30.000 - zumeist ältere - Deutsche im Banat.
Sie sind seit Anfang 1990 organisiert im "Demokratischen Forum der Banater
Deutschen".
Im Mai 1950 gründete man die Landsmannschaft der Banater Schwaben
(bis 1989:...aus Rumänien) in München, wo sie heute noch ihren Sitz hat. Pate
der Banater Schwaben aus Rumänien war von 1967 bis 1998 das Saarland.
Die
Bessarabiendeutschen
Bessarabien ist gebietlich im wesentlichen identisch mit der seit
1991 unabhängigen ehemaligen Sowjetrepublik Moldawien (Moldova) zwischen den
Flüssen Dnjestr und Pruth. Nachdem das Land 1812 von den Osmanen an Rußland
abgetreten worden war, wurde es bald unter Zar Alexander I. wie andere Grenzregionen
des Zarenreiches zum Zielgebiet einer systematischen Neubesiedlungspolitik.
Zwischen 1814 und 1818 entstanden vor allem durch Ansiedler aus Kongreßpolen
13 deutsche Kolonien mit Namen wie Leipzig, Wittenberg oder Paris. 1821-1842
kamen elf weitere Kolonien hinzu. Aus diesen entwickelten sich bis zum Vorabend
des Ersten Weltkrieges Dutzende weitere Tochterkolonien. Die Zahl der fast ausschließlich
bäuerlichen deutschen Bevölkerung in Bessarabien stieg zwischen 1861 und 1919
von 33.000 auf 79.000 (drei Prozent der Bevölkerung; 64 Prozent Rumänen). Im
Kreis Akkerman stellten Deutsche Ende des 19. Jahrhunderts 16,3 Prozent der
Bevölkerung. Siedlungsgeschichtlich gehören die Bessarabien-Deutschen nicht
zu den Rumänien-, sondern zu den Rußlanddeutschen.
Im Februar 1918 konnte sich das Land während der Wirren des russischen
Bürgerkrieges für "unabhängig" erklären und zwei Monate später Rumänien
anschließen, bevor es im Juni 1940 nunmehr von der Sowjetunion annektiert wurde.
Aufgrund deutsch-sowjetischer Absprachen wurden die inzwischen rund 86.000 Bessarabiendeutschen
im September/November 1940 je zur Hälfte nach Westpreußen und in den "Warthegau"
umgesiedelt, wo sie Anfang 1945 das Schicksal der übrigen Deutschen dort teilten.
Einige Tausend wurden nach Sibirien verschleppt bzw. nach sowjetischem Verständnis
"repatriiert", da man alle Menschen aus den 1939/1940 annektierten
Gebieten Rumäniens, Polens und des Baltikums für sich reklamierte. Etwa 10 Prozent
haben Krieg, Vertreibung und Verschleppung nicht überlebt.
Aus einem schon im Herbst 1945 gebildeten "Hilfswerk für
ev. Umsiedler" ging ... die Landmannschaft der Bessarabiendeutschen hervor,
die von Anfang an in Stuttgart ihren Sitz hat. Stuttgart übernahm auch die Patenschaft
über die Volksgruppe.
Die
(Ost-)Brandenburger
Von der früheren preußischen Provinz Brandenburg liegt mit über
11.000 qkm mehr als ein Viertel, nämlich die Neumark und die östliche Niederlausitz
rechts von Oder und Neiße (das heutige Bundesland Brandenburg zählt 29.000 qkm).
Das Gebiet des späteren Brandenburg, in dem seit der Völkerwanderungszeit
die slawischen Wenden und Liutizen siedelten, kam im 12. und 13. Jahrhundert
durch die Askanier, die sich seit 1144 Markgrafen von Brandenburg nannten, an
das Hl. Römische Reich. Mit der Landnahme vollzog sich vor allem im 13. Jahrhundert
parallel die deutsche Besiedlung und Christianisierung des Gebietes. Wichtig
war die Gründung des Bistums Lebus 1133. Die Siedler kamen vornehmlich aus den
askanischen Ländereien in Westfalen, den Niederlanden und Flandern. Es folgten
deutschrechtliche Stadtgründungen wie Königsberg/Nm. (1240), Frankfurt/Oder
(1253), Landsberg a.d.Warthe (1257), Schwerin a.d.Warthe (1312), Küstrin (1317)
usw.
Nach und nach kam das ganze Gebiet an den preußisch-brandenburgischen
Staat. In die 1816 gebildete preußische Provinz wurde 1920 auch das Stadtgebiet
von Berlin eingegliedert.
Bei der Reichstagswahl vom Dezember 1924 wurden in Brandenburg
östlich von Oder und Lausitzer Neiße bei einer Zahl von über 570.000 Wahlberechtigten
knapp 1.900 Stimmen für die "Polnische Volkspartei" abgegeben. Ein
Jahr später wurden in Ost-Brandenburg knapp 3.500 Personen mit polnischer Muttersprache
gezählt.
Von den im Jahr 1939 645.000 Einwohnern - darunter 3.000 Nicht-Deutsche
- sind über 40.000 im Krieg gefallen, 395.000 sind bis 1950 nach West-und Mitteldeutschland
gelangt, 208.000 sind auf der Flucht und bei der bereits im Juni 1945 von den
Polen gerade im Gebietsstreifen unmittelbar östlich von Oder und Neiße massiv
forcierten Vertreibung umgekommen, ermordet worden oder blieben vermißt. Mit
dieser unerhört hohen Quote von 38,9 Prozent Kriegs-und Nachkriegsverlusten
bzw. ungeklärten Fällen führt Ost-Brandenburg einsam die Statistik aller Vertreibungsgebiete
an. Ein Grund hierfür mag der sehr rasche Vorstoß der Roten Armee zur mittleren
Oder im Januar 1945 sein, der kaum noch eine Flucht oder einigermaßen geregelte
Evakuierungen zuließ. Durch die polnische Annexion Ost-Brandenburgs wurden an
der Oder die Städte Küstrin und Frankfurt, an der Lausitzer Neiße Guben und
Forst zerrissen.
Am 9.Oktober 1949 wurde in Hamburg als Interessenverband nicht
nur der ostbrandenburgischen Vertriebenen, sondern auch der Zonenflüchtlinge
aus dem westlichen Landesteil und dem Ostteil Berlins die Landsmannschaft Berlin-Mark
Brandenburg gegründet. Nach Jahrzehnten in Stuttgart hat die Landsmannschaft
mit der Errichtung von "Haus Brandenburg" ihren Sitz 1999 nach Fürstenwalde
zwischen Berlin und Frankfurt/Oder verlegt.
Die
Buchenlanddeutschen
Die am östlichen Karpatenrand gelegene Bukowina (Buchenland) ging
1775 vom osmanischen Vasallenstaat Moldau an Österreich über. Es folgte eine
systematische Ansiedlung Deutscher aus dem Banat, Böhmen usw. in dem damals
von nur 60.000 Rumänen und Ukrainern bewohnten 10.000 qkm großen Gebiet. Es
kam zu einer raschen Zunahme der bäuerlichen Bevölkerung (bis 1846 hatte sich
die Bevölkerung auf 370.000 versechsfacht), aber auch zu einem starken Ausbau
der Landeshauptstadt Czernowitz (rum. Cernauti, ukr. Cernivce), in der 1875
die deutschsprachige Franz-Josephs-Universität gegründet wurde. Deutsche/Österreicher
stellten vor dem Ersten Weltkrieg ein Viertel der Bevölkerung von Czernowitz.
1910 lebten 73.000 Deutsche (9,2 Prozent der Bevölkerung) mit
Ukrainern (38,4), Rumänen (34,4), Juden (12,0) und anderen Sprachgemeinschaften
in der Bukowina zusammen. Die Menschen sprachen unabhängig von ihrer Nationalität
zwangsläufig fast alle mehrere Sprachen.
1919 kam die Bukowina durch den Vertrag von St.Germain an Rumänien,
bevor ihr nördlicher Teil mit Czernowitz ebenso wie Bessarabien im Juni 1940
von den Sowjets annektiert und der Sowjet-Ukraine zugeschlagen wurde. Aufgrund
des deutsch-sowjetischen Umsiedlungsabkommens vom 5.9.1940 und einer deutsch-rumänischen
Vereinbarung vom 22.10.1940 verließen September/Dezember 1940 insgesamt rund
93.000 Deutsche nicht nur den an die UdSSR gefallenen Teil, sondern auch den
bei Rumänien gebliebenen Teil der Bukowina. 55.000 von ihnen wurden in Ost-Oberschlesien
und im Wartheland untergebracht, von wo sie Anfang 1945 fliehen mußten oder
vertrieben wurden. Wenn -was wahrscheinlich ist - die Verluste der Buchenlanddeutschen
dem der anderen Rumäniendeutschen entsprachen, sind etwa 15.000 bei Krieg und
Vertreibung umgekommen.
Die Landsmannschaft der deutschen Umsiedler aus der Bukowina (seit
1951 LM der Buchenlanddeutschen) wurde im Oktober 1949 in München gegründet,
ihr erster Sprecher war Dr.Rudolf Wagner, der stellvertretend auch für die anderen
südostdeutschen Landsmannschaften 1950 die Charta der deutschen Heimatvertriebenen
mitunterzeichnete. Die Patenschaft übernahm der bayerische Regierungsbezirk
Schwaben.
Die
Danziger
Als deutsche Stadt wurde Danzig 1224/25 noch innerhalb des Fürstentums
Pommerellen (etwa Gebiet des späteren Westpreußen westlich der Weichsel) gegründet.
Als Kaufmanns-, Handels- und Hafenstadt erlangte sie große Bedeutung im Ostseeraum.
Als Stadt eigenen Rechts war sie vom umliegenden - damals noch slawischen -
Umland klar getrennt, wurde aber bald zu einem Ausgangspunkt der deutschen Besiedlung
des weithin brachen Weichsellands. Mit Pommerellen kam Danzig 1308/09 an den
Deutschen Orden und begab sich 1454 unter Wahrung seiner Rechte und Eigenständigkeit
unter die Schutzhoheit der Krone Polens. Es behauptete sich mehr noch als andere
Städte des sogenannten "Königlichen Preußen" auch nach der einseitigen
und somit rechtswidrigen polnischen Eingliederungsakte von 1569 in den folgenden
Jahrhunderten als nahezu unabhängige Stadtrepublik. In seiner wirtschaftlichen
Blütezeit um 1650 hatte die deutsche Kaufmannsstadt Danzig fast 80.000 Einwohner
(zu dieser Zeit: Hamburg 60.000, Breslau 30.000, Berlin 6.000).
In Zusammenhang mit der 2.Teilung Polens 1793 beschloß die Stadt
aus eigenem Recht ihren Anschluß an das Königreich Preußen, dem sie bis 1918/20
angehörte - unterbrochen nur von einer von Napoleon erzwungenen Scheinselbständigkeit
als "Freistaat" 1807-14. Von 1815-29 und seit 1878 war Danzig Hauptstadt
der Provinz Westpreußen.
Der Versailler Vertrag trennte Danzig mit Umland von Preußen und
Reich ab, sprach es jedoch nicht dem wiederhergestellten Polen zu, sondern konstruierte
es 1920 als eigenen Staat "Freie Stadt Danzig" unter "Schutz"
und Aufsicht der Alliierten, vertreten durch den Völkerbund bzw. einen Kommissar
des Völkerbundes. Diese bizarre Konstruktion war zum einen dem polnischen Bestreben
geschuldet, Danzig vom Reich zu trennen, zum anderen der Tatsache, daß man das
Gebiet wegen seiner demographischen Verhältnisse unmöglich ohne weiteres Polen
zuschlagen konnte:
Von den 330.000 Menschen, die 1910 in dem knapp 2.000 qkm großen
Gebiet lebten, sprachen über 95 Prozent Deutsch, knapp drei Prozent Polnisch,
weniger als ein Prozent waren Kaschuben oder Masuren. 1923, also nach der Abtrennung
vom Reich, gaben sogar 97,6 Prozent der Bevölkerung Deutsch als Muttersprache
an (Polnisch, Kaschubisch, Masurisch: zwei Prozent). Bei den freien Parlaments-(Volkstags-)wahlen
vom Mai 1933 entfielen 3,2 Prozent der Stimmen auf polnische Listen.
Noch am Tag des Kriegsbeginn 1.9.1939 wurde der Wiederanschluß
des Gebiets der "Freien Stadt Danzig" an Deutschland proklamiert.
Bis 1945 war Danzig nunmehr Hauptstadt des "Reichsgau Danzig-Westpreußen".
Etwa 22.000 deutsche Danziger fielen im Krieg. Von den 1945 etwa
407.000 im Gebiet der Freien Stadt Danzig lebenden Menschen sind über 100.000
bei Flucht, Vertreibung und Deportation umgekommen.
Nach der Einnahme Danzigs durch sowjetische und polnische Truppen
am 27.3.1945 kam während der Besatzungszeit und während der Ausweisungen jeder
fünfte Danziger gewaltsam oder aufgrund der Umstände ums Leben oder blieb vermißt.
1950 lebten in Westdeutschland 225.000 Danziger, in der SBZ etwa
60.000. Ab Juni 1945 bestand in Lübeck bereits ein "Danziger Hilfskomitee".
Im April 1946 zunächst von den Alliierten verboten, wurde dann im August 1948
der Bund der Danziger als landsmannschaftliche Vereinigung gegründet. Ausgehend
von der Völkerrichtswidrigkeit der zwei Annexionen von 1939 und 1945 und vom
de-jure-Fortbestand der "Freien Stadt Danzig" besteht seit 1947 de
"Rat der Danziger" ,der die Interessen der deutschen Danziger nach
außen wahrnimmt. Patenstadt der Danziger ist Düsseldorf.
Die
Dobrudscha- und Bulgariendeutschen
In der - zwischen dem Unterlauf der Donau und dem Schwarzen Meer
gelegenen - Dobrudscha (rum. Dobrogea) siedelten Deutsche seit den 1840er Jahren,
als das Gebiet noch unter osmanischer Oberhoheit stand. Sie zogen aus dem nördlich
benachbarten Bessarabien und aus der Ukraine zu. Noch in den 1920er Jahren entstanden
Tochtersiedlungen. Es war eine ganz überwiegend bäuerliche Bevölkerung, doch
lebten Deutsche auch in der Schwarzmeerstadt Konstanza (rum. Constanta). Neben
Rumänen (um 1930 40 Prozent der Bevölkerung) und Bulgaren (um 1930 25 Prozent)
stellten sie (mit 1,5 Prozent) eine der vielen kleineren Volksgruppen, die in
dem etwa 23.000 qkm großen Gebiet lebten: Türken, Tataren, Russen, Griechen,
Tscherkessen, Juden usw. Die Menschen der Dobrudscha waren unabhängig von ihrer
Volkszugehörigkeit regelmäßig zwei-, drei- oder viersprachig. Nach dem russisch-türkischen
Krieg von 1877/78 kam die Dobrudscha an Rumänien, die Süd-Dobrudscha, wo aber
nur einige hundert Deutsche lebten, gehört/e 1878-1913, 1918/19 und seit 1940
zu Bulgarien. Nach dem Eintritt Rumäniens in den Ersten Weltkrieg wurden viele
Deutsche 1916/17 interniert.
Nach Vereinbarungen des Deutschen Reichs mit Rumänien vom 22.10.1940
und mit Bulgarien vom 21.11.1941 wurden insgesamt ca. 16.000 Deutsche aus dem
Gebiet umgesiedelt, davon je knapp 6.000 ins "Reichsprotektorat Böhmen
und Mähren" und ins Wartheland, von wo sie 1945 wie die dort ansässigen
Deutschen flüchteten oder vertrieben wurden.
Im Mai 1950 wurde die Landsmannschaft der Dobrudschadeutschen
(seit 1955:... Dobrudscha-und Bulgariendeutschen) in der Stadt Heilbronn gegründet,
die 1954 auch die Patenschaft über die vertriebene Volksgruppe übernahm.
Die
Donauschwaben
Den deutschen Stamm, der sich beiderseits der mittleren Donau
im pannonischen Zentralraum nach der Befreiung Ungarns von der Türkenherrschaft
im 18. Jh. aus Einwanderern der südwestdeutschen, aber auch böhmischen und österreichischen
Stammlandschaften entwickelte, bezeichnet die Völkerkunde seit den 1920er Jahren
als Donauschwaben. Die im selben Raume lebenden slawischen und madjarischen
Nachbarn hatten diese Deutschen seit ihrer Ansiedlung "Schwaben" genannt.
Nach einer seit 1526 rund 150 Jahre währenden Herrschaft über
den Großteil Ungarns scheiterten die Türken an der Belagerung Wiens und erlitten
1683 in der Schlacht am Kahlenberg jene Niederlage, die sich als eine politisch-kulturelle
"Wende" für ganz Südosteuropa erweisen sollte.
1686 setzte bereits die Besiedlung Ofens (ung. Buda) und des Ofener
Berglandes durch deutsche Bauern und Handwerker ein, und 1689 erließ Kaiser
Leopold I. das erste Ansiedlungspatent zur Wiederbevölkerung des Erbkönigreichs
Ungarn. Nach dem Siege Prinz Eugens bei Zenta 1697 über die Türken griffen diese
in den Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714), eine krisenhafte Zeit für Österreich,
nicht ein. Als jedoch das neugestärkte Osmanische Reich erfolgreich die Republik
Venedig angriff, sah sich Österreich gefährdet und begann 1716 jenen siegreichen
Türkenkrieg, der nach Eroberung von Temeswar und Belgrad 1718 mit dem Frieden
von Passarowitz (srbkr. Pozarevac) endete. Durch ihn wurde die Herrschaft der
habsburgischen Kaiser über Westungarn, das Banat, die Batschka, Syrmien und
Teile Bosniens abgesichert. In der Folge forderten die ungarischen Stände auf
dem Landtag von Preßburg 1722/23 Kaiser Karl VI. auf, "freie Personen jeder
Art" in das Land zu rufen und in seinen Erblanden und im Reich zu werben.
Fortab bemühten sich Kaiser Karl VI. (1711-1740), seine Tochter
Maria Theresia (1740-1780) und deren Sohn Josef II. (1780-1790), das verödete
und schwach besiedelte Land wieder zu bevölkern und eine wirtschaftlich sich
selbst erhaltende "Vormauer der Christenheit" zu errichten. Sie riefen
zwischen 1722 und 1787 Kolonisten ins Land. So kamen in drei "Großen Schwabenzügen"
(1723-1726; 1763-1771; 1784-1787) und in einer Reihe kleinerer etwa 150 000
Deutsche in die nördlich des Plattensees gelegenen Gebiete des ungarischen Mittelgebirges,
in die südlich des Plattensees gelegene "Schwäbische Türkei" (Komitate
Baranya/ Branau, Somogy/ Shomodei und Tolna/ Tolnau), in das Banat, die Batschka,
Syrmien und Slawonien.
Die südliche Grenze der Kolonisation bildeten die Flüsse Sawe
und ab Belgrad in östlicher Richtung die Donau. Die Kolonisten stammten aus
Südwestdeutschland und den habsburgischen Ländern.
Zudem wurden neben den Deutschen auch ungarische, ruthenische und slowakische
Bauern angesiedelt und, besonders im Banat, Serben und Rumänen aus dem türkisch
dominierten Grenzland aufgenommen sowie Italiener, Franzosen und Spanier als
Spezialarbeiter.
Das 19. Jh. war gekennzeichnet von einer wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung
der donauschwäbischen Dorfgemeinschaften, aber auch einer starken Tendenz des
städtischen deutschen Bürgertums, sich madjarisieren zu lassen. Der Madjarisierungsdruck
verstärkte sich nach der staatsrechtlichen Gleichstellung Ungarns mit der österreichischen
Reichshälfte im sog. 1867. Diese Umstände verwehrten den Donauschwaben die Heranbildung
einer eigenständigen geistigen Führungsschicht und die Ausbildung eines starken
politischen Bewußtseins. Erst 1906 gelang die Gründung der "Ungarländischen
Deutschen Volkspartei".
Obwohl von etwa 1880 bis 1910 rund 200.000 Donauschwaben aus wirtschaftlichen
Gründen nach Übersee ausgewandert waren, lebten 1910 beispielsweise rund 390.000
Deutsche in 130 Gemeinden des - ungeteilten - Banat (23 Prozent der Bevölkerung),
190.000 in 44 Dörfern der Batschka (24,5 Prozent), 150.000 in der Schwäbischen
Türkei (35 Prozent), 126.000 in Slawonien und Syrmien (11 Prozent) sowie 80.000
in Budapest (9 Prozent).
Die nach dem I. Weltkrieg im Vertrag von Trianon (4. Juni 1920)
erzwungene Reduzierung Ungarns auf 31 Prozent seines Kernlandes ergab auch eine
Dreiteilung des Siedlungsgebietes der rund 1,5 Millionen Donauschwaben auf die
Nachfolgestaaten der Donaumonarchie. Das Ostbanat und Sathmar fielen an Rumänien
(siehe Banater Schwaben), das Westbanat, die Batschka, das südliche Baranya-Dreieck,
Syrmien und Slawonien an das neuentstandene Königreich der Serben, Kroaten und
Slowenen (SHS-Staat, ab Oktober 1929: Jugoslawien), die restlichen Siedlungsgebiete
blieben bei Rumpfungarn (siehe Ungarndeutsche).
Die Donauschwaben und anderen Deutschen des vormaligen
Jugoslawien
Neben den etwa 510.000 in der heutigen serbischen Wojwodina und
im heute zu Kroatien gehörenden Slawonien lebenden Donauschwaben gerieten etwa
70.000 Altösterreicher aus der nunmehr annektierten Untersteiermark und aus
Oberkrain sowie etwa 20.000 Gottscheer unter das südslawische Regime. Erfahrungen
mit andersnationalen politischen Bewegungen sowie ein wachsender Überfremdungsdruck
zeitigten ein erwachendes Selbstbehauptungsstreben und führten 1920 zu Gründung
des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes", der dreimals zeitweilig verboten
wurde. Bei den Wahlen zum jugoslawischen Parlament, der Skupština, gewann die
1922 gegründete "Partei der Deutschen" 1923, 1925 und 1927 je acht,
fünf und sechs Mandate. Sie wurde aber wie alle anderen national orientierten
Parteien 1929 bei der Errichtung der "Königsdiktatur" verboten.
Im Rahmen der Bodenreform wurde Grundbesitz nur an Slawen, nicht
aber an ebenso bedürftige Donauschwaben zugeteilt. Das vergebliche Ankämpfen
der Führung des "Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes" und der donauschwäbischen
Politiker gegen diese und andere Diskriminierungen führte zum Aufkommen einer
unter nationalsozialistischem Einfluß stehenden Erneuerungsbewegung, deren gemäßigte
Kräfte 1939 auf Druck aus Berlin die Führung des Kulturbundes übernahmen.
Nach dem Zerfall Jugoslawiens im April 1941 wurden die Donauschwaben
nochmals dreigeteilt und zudem von Staats wegen verpflichtet, in den Wehrverbänden
Deutschlands und/oder seiner Verbündeten zu dienen. In der Folge projizierten
die im jugoslawischen Raum ab Mitte 1941 tätigen kommunistischen Partisanen
wie auch die königstreuen serbischen "Tschetniks" ihren Haß auch auf
die Donauschwaben, und der kommunistische "Antifaschistischer Rat der nationalen
Befreiung Jugoslawiens" (AVNOJ) beschloß 1943 und 1944 deren völlige Enteignung
und Eliminierung.
Von den 510 000 Donauschwaben, die bei Kriegsbeginn in Jugoslawien
lebten, konnten Ende 1944 vor dem Einmarsch der Sowjets und der Machtübernahme
der Partisanen etwas über die Hälfte der Zivilpersonen flüchten bzw. evakuiert
werden. Aus Syrmien und Slawonien über 90 Prozent, aus der Batschka und dem
Baranja-Dreieck rund die Hälfte und aus dem westlichen Banat nur etwa 15 Prozent.
Rund 195 000 Zivilpersonen kamen unter das Tito-Regime.
12.000 Donauschwaben, darunter 8.000 Frauen, wurden 1944/1945
in die UdSSR zur Zwangsarbeit deportiert. 2000 von ihnen gingen bis 1949 zugrunde.
Über 7000 Zivilpersonen wurden 1944 ermordet. Fast alle anderen 170.000 Zurückgebliebenen
wurden enteignet, entrechtet und in Arbeits- sowie acht Konzentrationslagern
interniert. 50 000 von ihnen sind innerhalb von drei Jahren durch Hunger, Seuchen
und Erschießungen umgekommen, während 35 000 unter Lebensgefahr aus den Lagern
über die nahen Grenzen nach Ungarn und Rumänien entkommen konnten. Ab 1946 wurden
Tausende Kinder aus den Lagern in Kinderheime verbracht und assimiliert.
60 000 Deutsche, d. h. fast jeder/jede dritte der in der Heimat
Verbliebenen wurde Opfer des kommunistischen Regimes.
1948 wurden die Lager aufgelöst.
Von den 425 000 Geflüchteten und Überlebenden haben 290 000 in Deutschland,
80 000 in Österreich und 35 000 in Übersee eine neue Heimat gefunden. Sie besitzen
in Deutschland, Österreich, den USA und Kanada landsmannschaftliche Dachorganisationen.
1954 übernahm das Land Baden-Württemberg die Patenschaft über
die Donauschwaben in Deutschland.
Die
Karpatendeutschen in der Slowakei
In die Slowakei, die als "Oberungarn" von 907 bis 1918
über tausend Jahre lang zu Ungarn gehörte, wanderten Deutsche in größerer Zahl
erst um 1200 ein. Siedlungsgebiete waren im Osten die Zips (slowak. Spiš, ung.
Szepes) um Leutschau (Levoca/ Löcse) und Kesmark (Keµmarok/Késmárk), in der
Landesmitte das Hauerland um die Bergbaustädte Kremnitz (Kremnica/ Köärmöcbánya),
Schemnitz (Banská Štiavnica/Selmecbány), Krickerhau (Handlová/ Nyitrabánya)
und Deutschproben (Nemecké Pravno/ Németpróna) und schließlich ab 1234 die Schüttinsel
bei Preßburg (ung. Pozsony, slowak. seit 1918 Bratislava), das 1526-1784 ungarische
Landeshauptstadt war, im Westen. Es waren vor allem Bergleute und Handwerker,
später auch Bauern, die als von den ungarischen Königen gerufene "Gäste"
den Landesausbau vorantrieben. Die Siedler kamen aus Bayern, Franken, die Bergleute
auch aus Böhmen und Schlesien. Der Mongoleneinfall 1241/42 warf die Anfänge
der Kolonisation schwer zurück. Die Bevölkerungsverluste waren groß.
Die Deutschen hatten eine ausgeprägte und landesherrschaftlich
etwa durch die "Zipser Willkür" von 1370 garantierte Selbstverwaltung,
die bis 1876 bestand. Den deutschen Städten waren eigene Gerichtsbarkeit, freie
Pfarrer- und Richterwahl usw. zugesichert. Auch in späteren Jahrhunderten setzte
sich die Zuwanderung fort, vor allem aus den habsburgischen Ländern, zu denen
die Slowakei mit dem nichtosmanischen Teil Ungarns seit der verlorenen Schlacht
bei Mohács 1526 gehörte. Die Reformation breitete sich um 1530 bei den Deutschen
rasch aus und förderte das Bildungswesen. Lateinschulen in Preßburg und Käsmark
und viele Dorfschulen wurden gegründet.
Mit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich 1867 begann für die
Deutschen in ganz Ungarn eine Zeit verschärfter Madjarisierung, in der vor allem
die deutsche Sprache rigoros aus dem Schulunterricht verdrängt wurde. Nach 1900
wurde selbst in den Grundschulen rein deutscher oder slowakischer Gemeinden
nur noch madjarisch unterrichtet, in einer Sprache also, die die Schulanfänger
vielfach gar nicht verstanden.
1910 wurden in "Oberungarn" knapp 200.000 deutsche Muttersprachler
(6,7 Prozent der Bevölkerung) gezählt, worunter aber auch zahlreiche Juden waren.
Zur deutschen Nationalität bekannten sich -nach dem Übergang des Landes an die
Tschechoslowakei (1918/19) 1921 und 1930 je etwa 150.000 (4,7 bis 4,9 Prozent)
der Bevölkerung der Slowakei. Immerhin stellten sie ein Viertel der Bevölkerung
Preßburgs. Im Wahlbündnis mit der "Sudetendeutschen Partei" entsandte
die "Karpatendeutsche Partei" 1935 einen Senator und einen Abgeordneten
nach Prag. In der unter dem Schutz des Deutschen Reichs 1939 verselbständigten
Slowakei erhielten die Deutschen Volksgruppenrechte und einen deutschen Schulminister.
Der slowakische Nationalaufstand im Herbst 1944 verursachte Verluste
unter der deutschen Bevölkerung und löste umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen
aus, die nach Böhmen und Mähren führten. Die Karpatendeutschen teilten dann
das Vertreibungsschicksal der Sudetendeutschen.
Etwa 5.000 Karpatendeutsche fielen im Krieg als slowakische oder
deutsche Soldaten im Osten, 4.000 Zivilisten wurden zur Zwangsarbeit nach Osten
deportiert, etwa 13.000 kamen bei Flucht und Vertreibung - vor allem in Böhmen/Mähren
- um.
Bei der Volkszählung 2001 bekannten sich rund 6.000 Deutsche in
der seit 1993 selbständigen Slowakei zur deutschen Nationalität, die seit der
Wende 1989/90 von ihren in Deutschland lebenden Landsleuten unterstützt werden.
1949 wurde bei einem ersten Bundestreffen in Ludwigsburg die Karpatendeutsche
Landsmannschaft Slowakei gegründet, die 1951 mit Vertretern des slowakischen
Exils ein Abkommen unterzeichnete, das die Vertreibung verurteilte und das Heimatrecht
der Slowakei-Deutschen anerkannte. 1985 wurde es mit dem "Weltkongreß der
Slowaken" erneuert. Seit 1957 steht die Volksgruppe der Deutschen aus der
Slowakei unter der Patenschaft der Stadt Augsburg.
Die
Deutschen aus Litauen
Die Siedlung Deutscher im Gebiet der heutigen Republik Litauen
begann erheblich später als etwa in Estland und Lettland. Erst im 15. Jahrhundert
kamen Deutsche, die ganz im Gegensatz zu den Deutsch-Balten auch eher bäuerlich
strukturiert waren, ins Land, was sich bis ins 18.Jahrhundert durch die Anwerbung
durch polnische und litauische Magnaten fortsetzte und im 19. Jahrhundert -
unter russischer Herrschaft - in die weitere Ansiedlung vor allem aus dem benachbarten
Ostpreußen führte. In Wilna (lit. Vilnius) und Kowno (Kaunas) gab es ein kleines
deutsches Bürgertum. Die in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts langsam entstehende
litauische Industrie wurde überwiegend von deutschen Unternehmern und Arbeitern
aufgebaut.
Im Ersten Weltkrieg wurden Tausende Deutsche 1915/16 ins Innere
Rußlands verschleppt, wo viele umkamen. Nach der Erringung der Unabhängigkeit
(16.2.1918, - Juli/Oktober 1918 vorübergehend unter Herzog Wilhelm von Urach
als König Mindaugas II.- , endgültig 2.11.1918) und einem schließlich im Zusammenwirken
mit baltischen und deutschen Verbänden erfolgreichen Abwehrkrieg gegen die Rote
Armee 1919/20 zählte man in den ehemals russischen Gouvernements Kauen (poln.
Kowno, lit. Kaunas), Suwalki und Wilna (lit. Vilnius), die jetzt im wesentlichen
das Staatsgebiet der Republik Litauen bildeten,1923 (1929) 30.000 (35.000) eingesessene
Deutsche, was etwa 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung entsprach. Zusammen mit
den Deutschen im 1923-1939 von Litauen annektierten Memelland (siehe Ostpreußen)
bildeten sie allerdings nach den Juden die zweitgrößte Minderheit im relativ
homogenen (1939 über 80 Prozent) Herrschaftsbereich der litauischen Regierung.
Nach der Rückgliederung des Memellandes an Ostpreußen/Deutschland
im März 1939 und dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 schloß das Reich nicht wie
im Falle Estlands und Lettlands mit Litauen, das nach anfänglichen, bald revidierten
deutsch-sowjetischen Regelungen im deutschen Interessenbereich bleiben sollte,
einen Umsiedlungsvertrag ab, sondern erst am 10.1.1941 mit der Sowjetunion,
so daß die Litauendeutschen ein dreiviertel Jahr sowjetischer Herrschaft ertragen
mußten. Die tatsächliche Zahl der Volksgruppe erwies sich mit rund 50.000, von
denen etwa 60 Prozent Januar/März 1941 nach Ost-und Westpreußen und in den Warthegau
umgesiedelt wurden, wobei auch einige hundert Litauer "mitgeschmuggelt"
werden konnten, der Rest im Alt-Reich.
Etwa 3.000 Litauendeutsche fielen im Krieg, etwa ein Viertel der
Deutschen aus Litauen hat Krieg, Flucht und Vertreibung nicht überlebt. Die
meisten Überlebenden fanden in Westdeutschland Aufnahme, wo sie 1953 ihre Landsmannschaft
gründeten, über die die Stadt Neheim-Hüsten 1959 und nach Gebietsreform in deren
Rechtsnachfolge 1975 die Stadt Arnsberg die Patenschaft übernahm.
Die
Oberschlesier
Der südöstliche Teil Schlesiens, seit dem Ende der Völkerwanderungszeit
von geringer germanisch-wandalischer Restbevölkerung und den von Osten her zugewanderten
slawischen Opolanen dünn besiedelt, geriet um 1000 unter polnische Herrschaft
und nahm aufgrund der zahlreichen Erbteilungen der Piasten-Dynastie seit der
zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine gewisse Sonderentwicklung gegenüber
Mittel- und Niederschlesien (1163 Herzogtum Ratibor), von dem es ungefähr durch
den linken Oder-Zufluß der Glatzer Neiße und den rechten des Stober abgegrenzt
ist. Seit 1202, als sich Ratibor Oppeln aneignete, das nun dem Land den Namen
gab, sonderte sich der oberschlesische Zweig der schlesischen Piasten vom Rest
des Fürstengeschlechts immer mehr ab. Es kam zu keinen der ansonsten bei ober-
wie niederschlesischen Piasten sehr häufigen Erbverbindungen und Erbfälle mehr
zwischen beiden Landesteilen. Das Herzogtum Oppeln zerfiel ab 1281 in weitere
Teilherzogtümer: Beuthen, Oppeln, Ratibor, Teschen, Cosel, Auschwitz und Zator,
wobei die beiden letzteren aber schon 1457 bzw.1479 an Polen kamen. Danach war
die schlesisch-polnische Grenze für beinahe ein halbes Jahrtausend eine der
unumstrittensten und friedlichsten ganz Europas.
Ebenso wie die anderen piastischen Herzogtümer Schlesiens nahmen
die oberschlesischen in den 1320er/1330er Jahren die Lehnsoberhoheit der damals
von den Luxemburgern innegehabten Böhmischen Krone an, der das Land bis 1742
und in Teilen bis zum Ende der Monarchie 1918 angeschlossen blieb. Polen verzichtete
gegenüber Böhmen im Vertrag von Trentschin 1335 "auf ewige Zeiten",
Ansprüche auf Schlesien geltend zu machen. Spätestens mit diesem Übergang an
Böhmen war Schlesien Bestandteil des Hl. Römischen Reiches geworden. 1532 starben
die verzweigten Oppelner, 1625 die Teschener Piasten aus.
Die deutsche Kolonisation des südöstlichen Schlesien mit den mittelalterlichen
Zentren Oppeln (1217 Verleihung deutschen Stadtrechts an die deutschen "Hospites"/
Gäste), Beuthen (1254) Ratibor (1299), Teschen (1374) usw. begann im 13.Jahrhundert
zeitversetzt um wenige Jahrzehnte mit der Niederschlesiens (siehe Schlesier).
Die Kolonisten kamen aus dem ganzen Reich und leiteten durch Einführung neuer
und effizienter Rechts- und Wirtschaftsformen einen Prozeß der allmählichen
zwanglosen Assimilation der angesessenen Bevölkerung ein. Auch die Vertiefung
der kirchlichen Organisation trug dazu bei. Innerhalb von 150 Jahren wurden
in Oberschlesien, im Herzogtum Oppeln 20 Städte und über 200 Dörfer nach deutschem
Recht gegründet.
Wegen der im Vergleich zu anderen Zielregionen der Ostsiedlung
aber erst später begonnenen Kolonisation wirkten sich die Große Pest der Jahre
1347/48 und die verheerenden Einfälle der sektiererischen tschechischen Hussiten
1425-35 hier besonders einschneidend aus, da nicht nur die Bevölkerung dezimiert
wurde, sondern auch der Strom der Zuwanderer aus dem Reich stark ab-, der aus
Polen hingegen zunahm. In Oberschlesien stockte in der Folge östlich der Oder
und im Süden insbesondere der sprachliche Assimilationsprozeß, so daß sich vor
allem bei der ländlichen Bevölkerung seit dem Mittelalter eine Zweisprachigkeit
des Deutschen und eines mit vielen deutschen und tschechischen Anlehnungen versehenen
polnischen Dialekts (lange "Wasserpolnisch" genannt, seit geraumer
Zeit spricht die Sprachwissenschaft lieber vom "Oberschlesischen")
durchsetzte. In den Städten dominierte hingegen bald die deutsche Sprache.
Eine Schlüsseleigenschaft der Oberschlesier war und blieb bis
heute trotz vorübergehender Erfolge der Reformation im 16. Jahrhundert ihr ausgeprägter
Katholizismus, der die Jahrhunderte überdauerte. Nach dem Übergang Schlesiens
an Habsburg 1526 war die Gegenreformation des ausgehenden 16. und des 17. Jahrhunderts
hier besonders rigoros. Nur in südlichen Randgebieten um Teschen oder Bielitz
und um Kreuzburg im Norden behauptete sich der Protestantismus - und zwar bei
Deutschen und Polen.
Im Ergebnis des 1.Schlesischen Krieges (1740-42) kamen mit Ausnahme
der oberschlesischen Herzogtümer Troppau, Jägerndorf und Teschen, die bei der
Böhmischen Krone blieben (siehe Sudetendeutsche), ganz Schlesien und zudem die
Grafschaft Glatz an Preußen. Preußisch-Oberschlesien wurde 1816 Regierungsbezirk
der im gleichen Jahr gebildeten Provinz Schlesien.
Die stürmische Industrialisierung (Steinkohle, Zink) vor allem
in der 2.Hälfte des 19. Jahrhunderts führte zum einen zu starker Einwanderung
polnischer "Gastarbeiter" aus dem russischen Kongreß-Polen, zum anderen
zu einer rapiden Verstädterung des oberschlesischen Bergbaureviers: Die Einwohnerzahl
von Kattowitz stieg in wenigen Jahrzehnten von 4.800 (1865) auf 36.000 (1905),
in Gleiwitz von 9.000 (1852) auf über 60.000 (1905), in Königshütte von 14.000
(1868) auf 66.000 (1905), in Zabrze (1915: Hindenburg) von 10.000 (1885) auf
54.000 usw. Die Bevölkerungsdichte war schließlich (1939) mit 157 Einwohnern
pro qkm mehr als doppelt so hoch wie etwa in den preußischen Regierungsbezirken
Königsberg oder Frankfurt/Oder.
Das Aufkommen dadurch bedingter neuer sozialer Gegensätze und
ein Übergreifen der polnischen Nationalbewegung von Posen und Westpreußen (siehe
dort) auf Oberschlesien um 1900 verband sich bald in brisanter Weise. Bei der
Reichstagswahl 1903 ging erstmals einer der zwölf oberschlesischen Wahlkreise
- bis dahin fast uneinnehmbare Hochburgen der um nationalen Ausgleich bemühten
katholischen Zentrumspartei - an einen polnischen Kandidaten, 1907 wurden fünf
Polen gewählt und 1912 entfielen insgesamt 94.000 Stimmen (30,8 Prozent) auf
polnische Bewerber in neun der zwölf Kreise, im Nordwesten Oberschlesiens trat
man erst gar nicht an, vier wurden gewählt.
Nach dem Ersten Weltkrieg strebte Polen die Annexion des größten
Teils Oberschlesiens an. Drei sogenannte "polnische Aufstände" unter
Beteiligung regulärer polnischer Streitkräfte 1919, 1920 und im Mai 1921 wurden
aber von deutschen Selbstschutzverbänden niedergeschlagen. Im März 1921 erbrachte
in dem unter alliierte Verwaltung und Besetzung gestellten Teil Oberschlesiens
eine Volksabstimmung das Ergebnis, daß 707.000 Stimmberechtigte (59,6 Prozent)
für den Verbleib bei Deutschland, 479.000 (40,4 Prozent) für den Übergang des
Landes an Polen stimmten. Die Alliierte Botschafterkonferenz verfügte eine Teilung
des Landes, durch die 1922 3.213 qkm mit 985.000 Bewohnern an Polen überging
(selbst in diesem abgetretenen Teil hatten nur 55,8 Prozent für Polen votiert,
obwohl 2/3 der Bevölkerung 1910 polnische bzw. oberschlesische Muttersprache
angegeben hatten). Die an Polen gefallenen großen Städte hatten mehrheitlich
für den Verbleib bei Deutschland gestimmt: Kattowitz 85 Prozent, Königshütte
75 Prozent. Bis 1925 wanderten rund 120.000 Deutsche zum Teil unter Druck von
Ost- nach West-Oberschlesien oder in andere Teile Deutschlands ab.
Ost-Oberschlesien wurde mit dem von Österreich abgetretenen östlichen
Teil des Teschener Schlesien zu einer Woiwodschaft mit gewissen Autonomierechten
und eigenem Landtag (Sejmik) zusammengeschlossen, in dem stets auch Vertreter
der deutschen Volksgruppe vertreten waren. Auf die verschiedenen deutschen Parteien
entfielen bei den Landtagswahlen 1922 25,8 und 1930 34,2 Prozent der Stimmen.
Ende der 30er lebten in Ost-Oberschlesien einschließlich des Teschener Schlesien
rd. 490.000 Deutsche, darunter aber rd. 360.000 Zweisprachige. Eine nationale
Zuordnung der Mehrsprachler in Oberschlesien blieb immer problematisch, so daß
der Begriff des "Schwebenden Volkstums" aufkam. Viele Doppelsprachler
entzogen und entziehen sich dem Bekenntnisdruck durch die Selbstdefinition als
"Schlesier".
Im bei Deutschland und Preußen gebliebenen West-Oberschlesien
lebten 1925 über 830.000 Deutsche (60,4 Prozent) und 390.000 deutsche, polnische
und "schlesische" Doppelsprachler (bzw. oft Dreisprachige - polnisch,
deutsch, oberschlesisch). Daß die Sprache kein Indiz für nationales Bekenntnis
darstellte, zeigten wie schon das Plebiszit von 1921 die Ergebnisse für die
Polnische Volkspartei bei den Reichstagswahlen in der Provinz (West-)Oberschlesien:
1922 zehn Prozent, Dez. 1924 7,8 Prozent, 1928 5,4 Prozent usw.
Von den über 1,5 Millionen Einwohnern der Provinz Oberschlesien
(in ihren Vorkriegsgrenzen ohne das im Oktober 1939 angegliederte Ost-Oberschlesien)
kamen 85.000 im Krieg um, 570.000 wurden bis 1950 vertrieben, zu über 90 Prozent
nach Westdeutschland; vor allem Nordrhein-Westfalen und dann mit Abstand Niedersachsen
und Bayern waren Hauptaufnahmegebiete. Etwa 800.000 Oberschlesier wurden als
"repolonisierbare" sogenannte Autochthone verifiziert, zurückgehalten
und in den folgenden Jahrzehnten einem massiven Polonisierungsdruck unterworfen.
Der Gebrauch der deutschen Sprache blieb lange Zeit verboten.
Aus dem Gebiet der Woiwodschaft (Ost-)Oberschlesien mit Teschen
wurden über 215.000 Deutsche vertrieben, darunter auch 85.000 Zweisprachige,
überwiegend solche, die sich während des Krieges in die sog. Deutschen Volkslisten
I oder II hatten eintragen lassen. Mehrere zehntausend, die sich nur schwer
von den anderen Vertreibungsverlusten der Deutschen aus (Vorkriegs-)Polen abgrenzen
lassen, kamen - zum Teil in Konzentrationslagern wie dem berüchtigten Zgoda
bei Schwientochlowitz - gewaltsam ums Leben.
In den folgenden Jahrzehnten, zumal Mitte der 50er, zu Beginn
der 70er und massiv Ende der 80er Jahre verließen hunderttausende Oberschlesier
als Aussiedler das Land und stellten mit Abstand den größten Teil der deutschen
Aussiedler aus der Volksrepublik (seit 1989 Republik) Polen, alleine in den
Jahren 1988-91 etwa 470.000 von 540.000.
Heute leben noch etwa 300-500.000 Deutsche in den Woiwodschaften
Oppeln/Opole und "Schlesien" (Slask) (= Ost-Oberschlesien mit Kattowitz).
Etwa 150.000 haben sich seit Anfang der 90er Jahre ihre fortbestehende deutsche
Staatsangehörigkeit durch die Ausstellung deutscher Pässe bestätigen lassen.
Im polnischen Sejm ist die Volksgruppe seit 1991 mit eigenen Abgeordneten vertreten.
Die Aussiedlungsbewegung ist auch wegen der seit 1990 herrschenden Freizügigkeit
und Reisefreiheit gegen Null zurückgegangen.
In der Bundesrepublik organisierten sich die Oberschlesier teilweise
in der im März 1950 gegründeten Landsmannschaft Schlesien - Nieder- und Oberschlesien,
die heute in Königswinter sitzt, zum anderen Teil in der auch 1949/50 entstandenen
Landsmannschaft der Oberschlesier (Sitz: Ratingen-Hösel). Eine Patenschaft über
die Schlesier übte von 1955-90 das Land Niedersachsen aus, Pate der Oberschlesier
ist seit 1964 Nordrhein-Westfalen. Der langjährige Sprecher der Landsmannschaft
der Oberschlesier, Herbert Czaja, war 1970-1994 zugleich Präsident des Bundes
der Vertriebenen.
Die
Ostpreußen
Die Initiative zur deutschen Besiedlung des später Ostpreußen
genannten Gebiets der elf prußisch-baltischen Clan-Gaue Pomesanien (siehe Westpreußen),
Pogesanien, Natangen, Nadrauen, Samland, Sudauen,Galinden, Warmien, Sassen,
Schalauen und Barten, die als Landschaftsbezeichnungen erhalten blieben, ging
von polnischer Seite aus: Der Herzog des polnischen Teilfürstentums Masowien,
dem die Prußen zu Beginn des 13. Jahrhunderts das Kulmerland an der unteren
Weichsel abgenommen hatten, rief 1225/26 die Ritter des 1190/98 im Heiligen
Land gegründeten Deutschen Ordens zu Hilfe gegen die noch nicht christianisierten
baltischen Stämme. Nachdem dem Orden vom staufischen Kaiser Friedrich II. durch
die auf 1226 datierte "Goldene Bulle von Rimini" (tatsächlich ausgestellt
1235) der Besitz nicht nur des Kulmerlandes (siehe Westpreußen), sondern aller
weiterer eventuellen Eroberungen zugesagt worden war, begannen 1231 östlich
der Weichsel Landnahme und "Schwertmission". Zur Landessicherung wurden
die ersten Ordensburgen errichtet: Thorn, 1232 Kulm, 1233 Marienwerder, 1239
Balga, 1252 Memel, 1255 Königsberg, 1274 Marienburg, die 1309-1457 Hauptsitz
des Ordens war usw. Sie waren auch Ausgangspunkte der deutschen Kolonisation,
die sich zeitgleich mit der militärischen Unterwerfung der nach neuesten Schätzungen
seinerzeit ungefähr 200.000 Prußen vollzog.
Die Ordensritter, selber zu zölibatärem Leben verpflichtet, hatten
lebhaftes Interesse an der Ansiedlung deutscher Bauern, Handwerker und Kaufleute.
Im 13. und 14. Jahrhundert kamen die Siedler überwiegend aus Niederdeutschland,
dem Einflußgebiet der Hanse, zu deren Schutzmacht sich der Deutsche Orden zeitweise
entwickelte, und aus Mitteldeutschland, zum Teil auch schon aus anderen Ostsiedlungsgebieten
wie Schlesien. Aus ihnen und den sich widerstrebend dem Christentum zuwendenden
Teilen der prußischen Bevölkerung bildete sich im Lauf der Jahrhunderte der
Neustamm der Ostpreußen. Die prußische Sprache behauptete sich in einigen Landesteilen
noch bis ins 17. Jahrhundert, im Norden das verwandte Litauische noch lange
darüber hinaus. Der Form nach ein geistliches Territorium, war der Ordensstaat
ein in seiner Zeit hochmoderner und effizienter Verwaltungsstaat.
Rückschläge der Kolonisationsarbeit wie die von außen geschürten
Prußenaufstände von 1243-53 und 1260-73 verhinderten nicht, daß ab 1283 das
ganze Gebiet des späteren Ostpreußen dem Orden unterstand. Er teilte sich die
Landesherrschaft mit den Bischöfen von Ermland, Samland, Pomesanien und Kulm,
die ab 1243 in einem Drittel des Preußenlandes auch die weltliche Herrschaft
ausübten. Im Jahr 1410, als mit der gegen polnisch-litauische und revoltierende
landeseigene ständische Truppen verlorenen Schlacht von Tannenberg der Niedergang
der Ordensherrschaft begann, zählte man im preußischen Ordensland - also einschließlich
des späteren Westpreußen - 93 Städte deutschen Rechts und 1.400 deutsche Dörfer.
Nachdem durch die große Pest 1347/48 im Ordensland der Zustrom der Siedler aus
dem Reich abbrach, ließen sich seit dem 15. Jahrhundert im Süden auch polnische
Siedler aus Masowien im Gebiet des später so genannten Masuren nieder, die vor
allem durch den Übergang zur Reformation in den 1520er Jahren und die Aufnahme
weiterer polnischer evangelischer "Dissidenten" im 17. Jahrhundert
den inneren Bezug zum polnischen Volk und Staat verloren und zu Ostpreußen wurden.
Im Norden siedelten sich zwischen dem 15. uns 17. Jahrhundert immer wieder litauische
Gruppen an, die sich allmählich assimilierten und gleichfalls evangelisch wurden.
Erst der Krieg von 1454-66, den die im "Preußischen Bund"
zusammengeschlossenen revoltierenden Stände - unter ihnen 19 deutsche Städte
wie Elbing und Thorn - und Polen-Litauen gegen den Orden führten, erschütterte
die Ordensherrschaft ernsthaft: Im 2.Thorner Frieden von 1466 mußte der Deutsche
Orden Pommerellen, das Kulmerland, Danzig, Elbing und Marienburg (siehe Westpreußen)
an die Krone Polens abtreten, das Bistum Ermland wurde dem polnischen König
lehnsabhängig und blieb im Gegensatz zum restlichen Land immer katholisch. Diese
Gebiete wurden im Unterschied zum verbliebenen Ordensland künftig das "Königliche
Preußen" genannt.
1525 schließlich wurde der Rest des preußischen Ordensstaats mit
der Hauptstadt Königsberg (seit 1457 Sitz des Ordens-Hochmeisters) nach Säkularisierung
und Umwandlung in ein weltliches Erb-Herzogtum unter Hochmeister Albrecht von
Brandenburg-Ansbach dem polnischen König lehnsabhängig. Dieses "herzogliche
Preußen" fiel 1618 als Erbe an die kurfürstlich-brandenburgische Linie
der Hohenzollern. Unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm konnte man sich
nach dem 1. Nordischen Krieg im Vertrag von Oliva 1660 von der polnischen Oberhoheit
befreien.
1701 führte die Königskrönung Kurfürst Friedrichs III. von Brandenburg
in Königsberg zum "König in Preußen" dazu, daß der Landesname sich
bald bis hin zum Niederrhein auf den brandenburgisch-preußischen Gesamtstaat
übertrug.
Eine Pestepidemie entvölkerte 1709/10 Ostpreußen weitgehend und
führte zu neuen staatlich gelenkten Ansiedlungsmaßnahmen, von denen die bekannteste
1731/32 die Aufnahme der 15.000 evangelischen "Exulanten" aus dem
Fürstbistum Salzburg war, die sich in ihrer alten Heimat der Rekatholisierung
widersetzt hatten. Anstelle älterer prußischer Ortschaften entstanden neue deutsche
Städte wie Ragnit und Stallupönen 1722, Pillkallen und Gumbinnen 1724, Nikolaiken
1726, Tapiau 1728 usw. Die russische Besetzung des Landes in den 1750er Jahren
während des Siebenjährigen Krieges blieb Intermezzo und hinterließ keine Spuren.
1772 kam durch die 1.Polnische Teilung der größte Teil des "königlichen
Preußen" mit dem Ermland an Preußen. Die Provinzen Ostpreußen - mit dem
Ermland und der Hauptstadt Königsberg - und Westpreußen - mit der Hauptstadt
Danzig - wurden 1773 gebildet. Beide blieben außerhalb des 1815 gebildeten Deutschen
Bundes, gehörten aber ab 1867/71 zum Norddeutschen Bund bzw. zum Deutschen Reich
und bildeten von 1824-78 die vereinigte Provinz Preußen.
Aufgrund des Versailler Vertrags kam der östliche Teil des nicht
an Polen abzutretenden Westpreußen als Regierungsbezirk (Hauptstadt Marienwerder)
1919 an Ostpreußen. Auf polnisches Drängen wurde im südlichen Ostpreußen im
August 1920 ein Plebiszit über die zukünftige staatliche Zugehörigkeit Masurens
abgehalten, dessen Ergebnis eindeutig war: Im ostpreußischen Regierungsbezirk
Allenstein (12.400 qkm mit 580.000 Einwohnern) stimmten 97,9 Prozent für den
Verbleib bei Deutschland, nur 8.000 für Polen, im Regierungsbezirk Westpreußen/
Marienwerder (2440 qkm mit 165.000 Einwohnern) 92,4 Prozent für Deutschland,
knapp 8.000 für Polen. Die überwältigende Mehrheit der Masuren und der katholischen
Ermländer hatte sich so eindeutig positioniert. Für Polen, das sich als Befreier
von "preußischer Unterdrückung" angedient hatte, war es eine selbstverschuldete
und demütigende Blamage vor aller Welt.
Auch am anderen Ende Ostpreußens wollte man sich nicht "befreien"
lassen: Das Memelland, die nördlich der Memel gelegenen vier ostpreußischen
Landkreise (2.708 qkm mit 154.000 Einwohnern), im Oktober 1919 von Deutschland
abgetrennt und einem alliierten Regime unterstellt, wurde im Januar 1923 von
Litauen besetzt und annektiert, doch die Bevölkerung machte vor allem bei den
Landtagswahlen deutlich, wem sie sich zugehörig fühlte. Zwar waren nur 71.000
Memelländer deutsch-, hingegen 67.000 litauischsprachig oder litauisch/deutsch-zweisprachig,
aber trotz litauischer Pressionen, der Ansiedlung von Litauern und Wahlfälschungen
errangen die deutschen Parteien 1925 94,0, 1930 82,2 Prozent, 1938 schließlich
87,2 Prozent der Stimmen. Die Situation war unhaltbar. Im März 1939 wurde das
Land völkerrechtskonform durch Staatsvertrag an Deutschland zurückgegeben.
Im Oktober 1944 wurde der östliche Regierungsbezirk Gumbinnen
als erstes Gebiet des Alt-Reichs Schauplatz von Bodenkämpfen zwischen deutscher
Wehrmacht und Sowjetarmee und ersten wahllosen
Massakern an der Zivilbevölkerung. Das vorübergehend von deutschen Truppen zurückeroberte
Dörfchen Nemmersdorf, wo sich schreckliche Szenen abgespielt hatten, wurde zum
Menetekel des Deutschen Ostens. Nur wenige Wochen nach Beginn der sowjetischen
Weichsel-Offensive im Januar 1945 war Ostpreußen vom Westen abgeschnitten und
eine Flucht zu Lande unmöglich geworden. Fast eine halbe Million Menschen konnte
sich nur noch über das zugefrorene Frische Haff in Sicherheit bringen, wobei
viele durch Eisbruch oder sowjetische Flieger dennoch umkamen. Königsberg wurde
eingekesselt und kapitulierte am 9.April 1945. Zwar konnten über tausend Schiffe
der deutschen Kriegs- und Handelsmarine zwischen Januar und Mai 1945 rund 2,4
Millionen Menschen - darunter auch viele Soldaten - über See retten ("nur"
33.000 = 1,3 Prozent kamen um, davon 9.000 auf der von einem sowjetischen U-Boot
am 27.1.1945 torpedierten "Wilhelm Gustloff", 6.700 auf der "Goya",
3.600 auf der "Steuben"), aber ein Großteil der Zivilbevölkerung erlebte
die Schrecken der sowjetischen Besatzung und die Anfänge des polnischen Regimes.
Von den rund 2,5 Millionen Ostpreußen (einschließlich Memelland),
von denen schon 220.000 (jeder vierte wehrfähige Ostpreuße!) im Krieg gefallen
waren, kamen weitere 240.000 bei Flucht und Vertreibung gewaltsam um. Vor allem
die beispiellosen Gewaltexzesse der sowjetischen Soldaten forderten gewaltige
Verluste unter der Zivilbevölkerung. Von der zurückgebliebenen Bevölkerung Königsbergs
starb in den Jahren 1945-48 mehr als die Hälfte durch Mord, Totschlag, Hunger,
Seuchen.
Nach dem Krieg wurde Ostpreußen dreigeteilt: Das Memelland wurde
der Litauischen Sowjetrepublik angegliedert, der übrige nördliche Teil - 13.205
qkm (1939 1.160.000 Einwohner) - mit Königsberg (seit 1946 "Kaliningrad"),
wurde Teil der Russischen Sowjetrepublik (RSFSR), die Ausweisung der noch anwesenden
Deutschen aus dem sowjetrussisch beherrschten Teil Ostpreußens war total und
wurde 1948 abgeschlossen. Das Gebiet blieb bis 1991 militärisches Sperrgebiet
und für alle Auswärtigen unzugänglich.
Der Süden - 23.791 qkm (1939 1.330.000 Einwohner) - wurde Polen
zugeschlagen. In der dort gebildeten Woiwodschaft Allenstein wurden nach Vertreibung
der meisten noch Anwesenden etwa 160.000 Deutsche, vor allem Masuren, zurückgehalten,
die man für "repolonisierbar" hielt. In den folgenden Jahrzehnten
sind sie, polnischer Bevormundung und Gängelei überdrüssig, mehrheitlich in
die Bundesrepublik Deutschland ausgesiedelt. Als Neusiedler kamen in den Süden
Ostpreußens nicht nur Polen, sondern 1947 unfreiwillig auch etwa 100.000 zwangsumgesiedelte
Ukrainer aus Polens südöstlichen Grenzgebieten.
1950 wurden 1.960.000 vertriebene Ostpreußen gezählt, davon 1.350.000
in Westdeutschland. Schon am 3.Oktober 1948 war die Landsmannschaft Ostpreußen
in Hamburg gegründet worden, wo sie bis heute ihren Sitz hat. Zum ersten Sprecher
der Landsmannschaft (bis 1951) wurde Dr. Ottomar Schreiber gewählt, der 1932-34
Landespräsident (Regierungschef) des litauisch beherrschten Memellands gewesen
war. 1950 gehörte Schreiber zu den Mitautoren und Unterzeichnern der Charta
der deutschen Heimatvertriebenen.
1978 übernahm der Freistaat Bayern die Patenschaft über die Landsmannschaft
Ostpreußen.
Die
Pommern
Die deutsche Besiedlung Pommerns begann Ende des 12. Jahrhunderts
im Zusammenwirken der seit Beginn des Jahrhunderts herrschenden wendisch-slawischen
Greifen-Herzöge, der Hanse und missionierender Orden: Prämonstratenser (1180
Kloster Belbuck) und Zisterzienser (1173 Kloster Kolbatz, 1199 Hilda) waren
Motoren der Missionierung und der Kolonisation des seit dem 7.Jahrhundert von
den slawischen Pomoranen dünn besiedelten Gebiets zwischen Oder und Weichsel.
Die Pomoranen ("Leute am Meer") lebten stets in Konflikt mit den südlichen
Nachbarn, den Pol(an)en ("Feldleute").
Vor allem zwischen 1230 und 1280 erfolgten viele Lokationen, Stadt-
und Dorfgründungen. Stadtgründungen nach Lübischem (1234 Stralsund, 1255 Kolberg,
1259 Wolgast, 1262 Greifenberg, 1310 Stolp und Neustettin, 1357 Leba usw.) oder
Magdeburger Recht (Stettin 1243, Stargard 1243/53) markierten die Eindeutschung
des Landes. Schon im 14. Jahrhundert wurde das Niederdeutsche allgemeine Umgangssprache.
Die friedliche Siedlung führt bald zum Anschluß an das Heilige Römische Reich
deutscher Nation. Der pommersche Herzog nahm sein Land 1181 als Lehen von Kaiser
Friedrich I. Barbarossa an. 1338 wurde das Herzogtum Pommern endgültig Reichsstand.
Die Reformation setzte sich in den 1520/30er Jahren aufgrund des
Wirkens des Luther-Vertrauten Johannes Bugenhagen ("Doctor Pomeranus")
vollständig durch.
Nach zahlreichen Erbteilungen in die Teil-Herzogtümer Stettin,
Wolgast, Demmin, Stolp, Stargard etc. starb die Dynastie der Greifen 1637 inmitten
des Dreißigjährigen Krieges, der das Land ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung
kostete, aus. 1648 kam der größte Teil des späteren Vertreibungsgebiets Hinterpommern
an Kur-Brandenburg, die Landeshauptstadt Stettin mit Vorpommern und ein Landstreifen
östlich der Oder kam an Schweden, das die Stadt 1720 an Brandenburg-Preußen
abtreten mußte. Unter Friedrich II. erfolgte ab den 1740er Jahren ein verstärkter
Landesausbau: 159 neue Dörfer wurden neu gegründet und mit Siedlern aus Schwedisch-Vorpommern,
aus Mecklenburg, Schwaben, Sachsen und der Pfalz "peupliert". Um 1748
zählte Preußisch-Hinterpommern etwa 310.000 Einwohner.
1815 ging auch der Rest Vorpommerns - westlich der Oder - von
Schweden an Preußen über. 1938 wurde der Provinz Pommern der Großteil der aufgelösten
Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen mit Schneidemühl, Dt.-Krone, Schwerin a.d.Warthe
usw. (siehe Westpreußen) angeschlossen, dessen Bevölkerung im folgenden mitberücksichtigt
wird.
Die überwiegend ländliche Bevölkerung der Provinz Pommern östlich
der Oder mit Stettin und Swinemünde in den Grenzen von 1938 (31.300 qkm) zählte
bei Kriegsbeginn rund 1,9 Millionen Deutsche. Sie war zu 95 Prozent protestantisch,
nur im äußersten Osten lebte eine kleine katholische Minderheit der Kaschuben
(siehe Westpreußen). In den östlichen Randgebieten lebten etwa 8.000 Deutsch/Polnisch-
bzw. /Kaschubisch -Zweisprachige. Die Kaschuben - zahlreicher in Westpreußen
(siehe dort) - mögen als die letzten Nachkommen der Pomoranen anzusehen sein.
125.000 Pommern aus diesem östlichen Teil der Provinz fielen im
Krieg, über 40.000 kamen durch Luftangriffe oder bei den Kämpfen 1945 ums Leben.
Über 1,4 Millionen Pommern wurden 1945/47 vertrieben, etwa 330.000 Deutsche
- jede/r Sechste - kamen auf der Flucht, in Lagern, während der Verschleppung
zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion oder durch willkürliche Gewalt ums Leben.
Die Vertreibung war nahezu vollständig. Die polnischen Neusiedler stammten in
der Mehrzahl nicht aus dem an die UdSSR gefallenen Ostpolen, sondern aus Zentralpolen.
1948 entstand in Westdeutschland die Pommersche Landsmannschaft
unter ihrem Sprecher Herbert von Bismarck (bis 1953), einem Großneffen Otto
von Bismarcks, der sich auch die Zonenflüchtlinge aus den an die SBZ/DDR gefallenen
Teilen Vorpommerns anschlossen. 1954 übernahm das Land Schleswig-Holstein, in
dem seit 1945 hunderttausende Pommern Zuflucht gefunden hatten, die Patenschaft
über die Landsmannschaft.
Die
Rußlanddeutschen
Schon seit dem 16. Jahrhundert lebten Deutsche als Händler, Offiziere,
Ärzte, und Beamte in Rußland. Namentlich Deutsch-Balten (siehe dort) nahmen
auch am Hof in St. Petersburg führende Stellungen ein. Vor allem das gehobene
städtische Deutschtum in Moskau oder später St. Petersburg russifizierte sich
jedoch in der Regel allmählich. Im folgenden sollen unter den Rußlanddeutschen
nur jene Siedler und ihre Nachkommen verstanden werden, die seit der Zeit Zarin
Katharinas II., seit den 1760er Jahren also ins russische Zarenreich kamen.
Vor allem die südrussischen und ukrainischen Landesteile waren
seit der Verdrängung der Tataren und Türken durch Russen und Kosaken nur spärlich
besiedelt und blieben weit hinter ihren Entwicklungsmöglichkeiten zurück. Auch
die Immobilität der russischen Leibeigenschaftsordnung wirkte einer nachhaltigen
Kolonisation aus eigenen Ressourcen entgegen. 1762 und 1763 wandte sich die
Zarin mit zwei Manifesten an mittel- und westeuropäische Siedlungswillige -
ausgenommen: Juden -, denen umfangreiche Privilegien zugesichert wurden: Freie
Religionsausübung, Gewerbefreiheit, Steuerbefreiung auf bis zu zehn Jahre, Gemeindeselbstverwaltung,
Bewegungsfreiheit usw.
Vor allem in Württemberg, Hessen, Franken, Baden, dem Elsaß, der
Pfalz, der Schweiz, aber auch in Westpreußen reizte der Appell an Unternehmer-
und Freiheitsgeist viele, den Weg ins Zarenreich zu nehmen. In zwei Siedlungswellen
kamen rund 100.000 Deutsche 1763-69 in das weithin menschenleere Gebiet an der
mittleren Wolga um Saratow und Samara, nach Woronesch und in das Gebiet von
St.Petersburg, 1787-1823 in die den Türken abgenommene südliche Ukraine, auf
die Krim, nach Bessarabien (siehe dort) und in den Kaukasus. Die Kolonisten
gründeten - streng nach Konfessionen (Evangelische, Katholiken, Mennoniten,
Herrnhuter usw.)getrennt - geschlossene und autonom verwaltete Siedlungen, denen
sie oft die Namen ihrer Herkunftsorte gaben, so an der Wolga Neu Weimar, Mannheim,
Braunschweig, Marienburg oder Zürich und Basel. In der Ukraine wurden Kolonien
wie Karlsruhe, Darmstadt und Landau gegründet. Katastrophen wie der Große Kosakenaufstand
Pugatschows in den 1770er Jahren warfen das Siedlungswerk nur vorübergehend
zurück. Ende des 19. Jahrhunderts griff die Bildung von rußlanddeutschen Tochtersiedlungen
bis nach Westsibirien aus.
Die Aufhebung der Wehrdienstfreiheit 1874 und die in den 1880er
Jahren unter Zar Alexander III. beginnende aggressive Russifizierungspolitik
mit Aushöhlung der Kulturautonomie und Abdrängung der deutschen Sprache veranlaßte
vor allem unter den streng pazifistischen deutschen Mennoniten eine erhebliche
Auswanderungsbewegung, insbesondere nach Nordamerika.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs lebten gleichwohl rund 2,4 Millionen
Deutsche im zarischen Rußland in etwa 3.500 Siedlungen und bewirtschafteten
134.000 qkm Land. Abzüglich der Deutschen im Baltikum, in Kongreßpolen, Wolhynien
und Bessarabien (siehe Deutsch-Balten, Weichsel-Warthe) lebten davon rund 1,4
Millionen Deutsche im europäischen Teil Rußlands und in der Ukraine, über 200.000
in Sibirien und im Kaukasus.
Während des Ersten Weltkrieges waren sie vielfachen Repressionen
und Verschleppungen (siehe Weichsel-Warthe) ausgesetzt, nach dem bolschewistischen
Oktoberputsch 1917 waren sie als überwiegend gut bemittelte Bauern ("Kulaken")
Ziel konfiskatorischer und nationalistischer Begehrlichkeiten. Etwa 200.000
Deutsche verließen in den 1920er Jahren die UdSSR. Gleichwohl kam es schon im
Oktober 1918 im Rahmen der vordergründig-emanzipatorischen leninschen Nationalitätenpolitik
zur Bildung der autonomen wolgadeutschen "Arbeitskommune", aus der
im Januar 1924 die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen
(ASSRdWD) hervorging. Erster Regierungschef der "Arbeitskommune" war
kein Rußlanddeutscher, sondern bis 1920 ein bolschewisierter deutscher Kriegsgefangener,
der nach seiner Rückkehr nach Deutschland alsbald mit dem Kommunismus brach
und schließlich 1947-53 in schwerster Zeit Ober- bzw. Regierender Bürgermeister
von (West-)Berlin war: Ernst Reuter. Aber nur etwa ein Drittel der Deutschen
in der Sowjetunion lebte in dieser so genannten Wolga-Republik, in der sie zwei
Drittel der Bevölkerung stellten. Größere Städte wie Pokrowsk und Katharinenstadt
wurden in "Engels" und "Marxstadt" umbenannt. Im Bürgerkrieg
1918/21 kamen zehntausende durch Gewalt und Hunger um.
Die verschärfte Kollektivierung der sowjetischen Landwirtschaft
zu Beginn der 1930er Jahre forderte durch Hungertod, Zwangsenteignung, Verschleppung
der "Kulaken" und willkürliche Massaker auch unter den Rußlanddeutschen
hunderttausende Todesopfer, vor allem im ukrainischen Schwarzmeergebiet, wo
insgesamt etwa sechs Millionen Menschen durch den kommunistischen Staatsterror
umkamen. 1938/39 wurden alle Selbstverwaltungskörperschaften (National-Rayons)
und Schulen der Rußlanddeutschen außerhalb der ASSRdWD aufgelöst. Am Vorabend
des Zweiten Weltkriegs lebten noch insgesamt rund 1,4 Millionen Deutsche auf
sowjetischem Territorium.
Der Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges im Juni 1941 löste
für den Großteil der Rußlanddeutschen endgültig die Katastrophe aus: Am 28.8.1941
verfügte das "Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR" die Deportation
der Wolgadeutschen nach Sibirien und Mittelasien, da Stalin und Berija ohne
Angabe von Gründen unter ihnen "tausende und zehntausende Diversanten und
Spione" mutmaßten, obwohl die meisten seit Jahrzehnten kaum Kontakt zur
deutschen oder überhaupt zur nicht-sowjetischen Außenwelt gehabt hatten. Innerhalb
weniger Wochen wurden über 700.000 Deutsche nicht nur aus der alsbald für immer
aufgelösten ASSRdWD, sondern auch aus der Ukraine und dem Kaukasus von Truppen
des KGB-Vorläufers NKWD deportiert; etwa ein Drittel der Betroffenen hat die
Exzesse bei der Internierung, den wochenlangen Eisenbahntransport oder die erste
Zeit in den unwirtlichen Ankunftsgebieten nicht überlebt. Sie starben binnen
Wochen an Durst, Hunger, Erschöpfung, Seuchen und nur zu oft an den berüchtigten
"acht Gramm Blei ins Genick" (Solschenizyn). Zehntausende rußlanddeutsche
Soldaten der Roten Armee wurden 1941 aus der Truppe entfernt und ebenfalls deportiert
oder einfach erschossen.
280.000 Rußlanddeutsche, denen 1941 in den westlichen Randregionen
der Ukraine wegen des raschen Vormarsches der Wehrmacht die Deportation erspart
geblieben war und die sich 1943/44 mit der Deutschen Wehrmacht nach Westen bewegten,
wurden 1945/46 von den westlichen Alliierten den Sowjets ausgeliefert und in
die asiatischen Teile der UdSSR deportiert. Auch zehntausende Vertrags-Umsiedler,
die 1939/40 den Westen der Ukraine und Weißrußlands verlassen hatten und niemals
Sowjetbürger gewesen waren, wurden "repatriiert". Kaum zwei von drei
überlebten. Bis 1955 lebten die meisten Deutschen unter der Kommandatur der
sogenannten Trud-Armija (Arbeits-Armee) als Zwangsarbeiter unter Haftbedingungen.
Auch nach ihrer teilweisen "Rehabilitierung" 1964 durften sie nicht
in ihre Heimat an Wolga oder Schwarzem Meer zurückkehren - im Gegensatz zu anderen
1943/44 deportierten Völkern wie Tschetschenen, Kalmücken oder Inguschen. Die
deutsche Sprache wurde von den Sowjets radikal unterdrückt; erst 1957 erschien
in Moskau - wo kaum Deutsche lebten - eine erste (kommunistische) deutschsprachige
Zeitung.
Trotz der gewaltigen und notabene völlig unverschuldeten Menschenverluste
wurden bei der ersten zuverlässigen Volkszählung nach dem Zweiten Weltkrieg
1959 1.620.000 Deutsche in der UdSSR gezählt, die Hälfte davon in den asiatischen
Teilen der Russischen SFSR, die meisten anderen in Kasachstan und anderen mittelasiatischen
Sowjetrepubliken. Im Jahr der letzten sowjetischen Volkszählung 1989 lebten
2.040.000 Deutsche in der UdSSR: Die meisten - 960.000 - in Kasachstan, 840.000
in Rußland - davon nur 35.000 an der Wolga um Saratow und Wolgograd -, über
100.000 in Kirgisien, 40.000 in Usbekistan usw. Nur 38.000 lebten inzwischen
doch wieder in der Ukraine.
Nachdem Ende der 80er Jahre unter dem Zeichen der "Perestrojka"
Hoffnungen auf eine Wiederherstellung der Wolga-Republik aufgekommen und sich
schon bald als Illusion herausgestellt hatten, kam es zu einer enormen Aussiedlungsbewegung
nach Deutschland. Auch hatte das 1986 verabschiedete neue Gesetz über Ein- und
Ausreise faktisch Freizügigkeit geschaffen: Waren in den 70er und frühen 80er
Jahren jährlich nur wenige tausend oder sogar nur hunderte Deutsche im Rahmen
der Familienzusammenführung ausgesiedelt (1986: 1.349), kamen in den Jahren
1988-1996 über 1,4 Millionen, 1997-2002 (1.Hj.) weitere 560.000 Rußlanddeutsche
und Familienangehörige nach Deutschland, die Mehrzahl aus Kasachstan.
In den einzelnen ehemaligen Sowjetrepubliken, insbesondere in
Rußland (2000 geschätzt: noch 800.000 Deutsche; 0,6 Prozent der Bevölkerung),
Kasachstan (400-500.000) und der Ukraine organisierten sich seit Ende der 80er
Jahre die Deutschen in Vereinen und bemühen sich um Restaurierung ihrer 50 Jahre
lang repressierten Kultur und Sprache.
In der Bundesrepublik wurde im Herbst 1950 von der Minderheit
derjenigen Rußlanddeutschen, die nicht von Engländern und US-Amerikanern den
Sowjets ausgeliefert worden waren, da sie inzwischen deutsche Bürger waren und
ihre Personalpapiere Geburtsorte wie "Karlsruhe", "Landau"
oder dergleichen nannten (etwa 50.000), auf Initiative konfessioneller Vereinigungen
- Lutheraner, Mennoniten, Freikirchen, Katholiken - die Arbeitsgemeinschaft
der Ostumsiedler gegründet, aus der 1955 die Landsmannschaft der Deutschen aus
Rußland hervorging. Seit Ende der 90er Jahre ist sie die wichtigste Anlaufstelle
für die millionenfach nach Deutschland kommenden Landsleute, die nicht ihre
angestammte Heimat verlassen, sondern die Zielgebiete ihrer Deportation 1941
bzw. 1944/45.
Pate der Rußlanddeutschen insgesamt ist das Land Baden-Württemberg,
Patenland der Wolgadeutschen Hessen.
Die
Sathmarer Schwaben
Im Nordwesten Siebenbürgens um die Stadt Sathmar (rum. Satu Mare,
ung. Szatmár) und im gleichnamigen Komitat (Grafschaft) gab es wie in der nicht
weit entfernten östlichen Slowakei (siehe Karpatendeutsche) schon während des
Hochmittelalters im 12./13. Jahrhundert von den ungarischen Königen ins Land
gerufene deutsche Siedler, die aber anders als dort bald madjarisiert wurden.
Im Frieden von Sathmar verzichteten die Habsburger auf Siebenbürgen und anerkannten
nach 40-jährigen Wirren die osmanische Oberhoheit über Siebenbürgen - bis auf
weiteres.
Erst nach den Türkenkriegen, ungarischen Aufständen gegen Habsburg,
Pest (1709-11) und Entvölkerung begann zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine neuerliche
planmäßige Ansiedlung deutscher Kolonisten aus Oberschwaben, aber nicht wie
sonst staatlich gelenkt, sondern durch die örtliche Magnaten-Dynastie der Károlyis.
Nach dem durch den Frieden von Sathmar 1711 beendeten ungarischen Kuruzzen-Aufstand
(1703-11) begannen 1712 Werbung und Ansiedlung deutscher - und grundsätzlich
katholischer - Bauern im verwüsteten Gebiet, denen vor allem in den 1720/30er
Jahren immer weitere folgten. Bis 1838 kamen insgesamt 8.000 Schwaben in die
Károly´schen Ländereien. Im Gegensatz zu den aus verschiedensten Reichsteilen
stammenden anderen Donau-Schwaben sind die Sathmarer in ganz überwiegender Zahl
tatsächlich schwäbischer Herkunft.
Um 1800 lebten etwa 10.000 Schwaben neben Madjaren, Rumänen und
Ukrainern im Komitat. Der massiven Madjarisierungspolitik mit Verdrängung der
deutschen Sprache seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entkam die Volksgruppe
bis heute nicht, obwohl 1919 der größte Teil Sathmars mit den meisten Schwaben
durch den Vertrag von Trianon an Rumänien fiel. Der rumänische Staat unterstützte
die nationale Selbstfindung der Sathmarer und anderer in seinen Grenzen lebenden
Donau-Schwaben als Gegengewicht zum ungarischen Separatismus in Siebenbürgen.
Im nun rumänischen Gebiet Sathmar/ Marmarosch wurden 1920 47.000 Deutsche gezählt
(vier Prozent der Bevölkerung). Doch die maßgeblich von der katholischen Kirche
getragene Madjarisierung führte dazu, daß sich 1930 nur noch 31.000 Personen
als Deutsche bekannten, nur 22.000 davon waren deutschsprachig.
Nachdem das Gebiet 1940-45 mit ganz Nord-Siebenbürgen vorübergehend
wieder zu Ungarn gehört hatte, waren die Sathmarer Schwaben nach Ende des Weltkriegs
wie auch die anderen Rumäniendeutschen nicht allgemeinen Vertreibungsmaßnahmen
unterworfen, doch etwa 3.000 flüchteten schon 1944, etwa 6.000 wurden in die
Sowjetunion zur Zwangsarbeit verschleppt, um nur zum geringen Teil nach Jahren
lebend zurückzukehren.
Im September 1947 wurde in Kempten die Landsmannschaft der Sathmarer
Schwaben gegründet, die heute (2002) ihren Sitz in Stuttgart hat.
In den 80er Jahren wurde die deutsche Bevölkerung des Gebiets
um die Städte Sathmar und Großkarol auf etwa 40.000 geschätzt. 1989/90 schlossen
sie sich zum größten Teil der Massenauswanderung der anderen Rumäniendeutschen
nach Deutschland an. Pate der Sathmarer Schwaben ist seit 1962 der schwäbische
Landkreis Biberach a.d. Riß.
Die
Schlesier
Schlesien mißt - von der Oder durchzogen - von Görlitz im Nordwesten
bis zum Süden Oberschlesiens rund 400 Kilometer, vom Südwesten der Sudeten bis
zur alten deutsch-polnischen Grenze im Nordosten rund 150 und ist im Laufe seiner
Geschichte trotz vielfacher Zersplitterung immer eine geschichtliche Einheit
geblieben. Seit dem frühen Mittelalter nach dem mehrheitlichen Wegzug der germanisch-wandalischen
und dem Land den Namen hinterlassenden Silingen (5. Jahrhundert) nur dünn mit
nachrückenden Slawen besetzt, wurde das Land im 12. Jahrhundert Zielgebiet der
deutschen Ostkolonisation.
Initiatoren waren die schlesischen Piasten-Herzöge, die sich zu
dieser Zeit - endgültig dann1163 - jedem Zusammenhang mit den polnischen Piasten
entzogen und nicht zuletzt durch kontinuierliche "Heiratspolitik"
- die von deutschen wie polnischen Schlesiern verehrte Landespatronin war und
ist bis heute die Gemahlin Herzog Heinrichs I., die Heilige Hedwig aus dem fränkischen
Geschlecht Andechs-Meran (†1243) - sehr bald Deutschland und dem Reich zuwandten.
Kristallisationspunkte der friedlichen Kolonisation waren anfangs vor allem
die Klöster der ins Land gerufenen Prämonstratenser (St.Vincenz in Breslau um
1120, 1228 Czarnowanz bei Oppeln) und Zisterzienser (1175 Leubus, 1202/03 Trebnitz,
1227/28 Heinrichau, 1242 Grüssau, 1247 Kamenz usw.). Den Leubuser Zisterziensern
wurde 1175 ausdrücklich als Privileg zuerkannt, deutsche Siedler ins Land zu
holen, die "für alle Zeit und ausnahmslos von allem polnischen Recht frei
sein sollen." Allein zwischen 1200 und 1350 wurden in Nieder- und Mittelschlesien
nach deutschem Recht 63 Städte und fast 1.500 neue Dörfer gegründet, in Oberschlesien
weitere 20 Städte und über 200 deutsche Dörfer. Schon um 1300 lebten in Schlesien
nach Schätzungen 175.000 Deutsche.
Unumstrittenes Zentrum des Landes und Anziehungspunkt deutscher
Kolonisten war aber zu jeder Zeit das um das Jahr 1000 entstandene Breslau,
seit etwa 1250 mit deutschem Stadtrecht, das schon im 14. Jahrhundert mit 20.000
Einwohnern für damalige Verhältnisse eine europäische Großstadt war.
Große Rückschläge für die Besiedlung waren der verheerende Einfall
der Mongolen 1241, dem in der Schlacht bei Wahlstatt der Großteil des schlesischen
Adels mit Herzog Heinrich II. - Hedwigs Sohn - an der Spitze zum Opfer fiel,
und die Große Pest von 1347/48, die zwar in Schlesien vergleichsweise weniger
als in anderen Ländern grassierte, aber den Siedlerzuzug aus dem Westen stark
abschwächte. Ab den 1420er Jahren war Schlesien für Jahrzehnte eines der Hauptangriffs-
und Plünderungsziele der aus Böhmen immer wieder vordringenden tschechischen
Hussiten. 40 Städte wurden zerstört. In dieser Zeit - 1420 - fand unter Kaiser
Sigismund in Breslau der erste und einzige kaiserliche Reichstag in Ostdeutschland
statt.
Die staatsrechtliche Trennung von Polen hatte schon zuvor in den
1320/30er Jahren ihren Abschluß gefunden, als sich nacheinander alle die in
etliche Teil-Linien zersplitterten piastischen Herzogtümer (1327 waren es 17!)
der Lehnsoberhoheit der Böhmischen Krone unterstellten: So 1327 die Oppelner
Herzöge (siehe Oberschlesien), 1329 die von Liegnitz, Brieg, Sagan, Oels und
Steinau, 1331 Glogau und 1336 Münsterberg. Breslau, mächtiges Herzogtum ohne
Herzog, sondern seit dem Aussterben der dortigen Piasten 1335 faktisch eine
eigensinnige patrizische Bürger-Republik, die selbst den Breslauer Bischof nach
Neisse vergraulte, hatte auch schon 1327 die böhmische Oberhoheit erbeten und
erhalten. Länger als drei Jahrhunderte, bis 1635 war der von der Bürgerschaft
gewählte Breslauer Stadtrat kollektiver "Landeshauptmann" des ganzen
Landes. Zu den schlesischen Fürstentagen hatten sich die Herzöge zu den Bürgerrepräsentanten
Breslaus ins Rathaus zu begeben.
Seither gehörte das ganze Land zum Heiligen Römischen Reich (deutscher
Nation). Polens König Kasimir III. verzichtete gegenüber Böhmen im Vertrag von
Trentschin 1335 "auf ewige Zeiten", Ansprüche auf Schlesien geltend
zu machen. Spätestens mit diesem Übergang an Böhmen war Schlesien Bestandteil
des Hl. Römischen Reiches geworden. Dies entsprach naturgemäß der in dieser
Zeit in Nieder- und Mittelschlesien und im westlichen Oberschlesien weitgehend
abgeschlossenen friedlichen Eindeutschung.
Nacheinander starben die schlesischen Piasten, die sich - außer
zeitweise in Oberschlesien - ungeachtet der manchmal nur einige hundert qkm
zählenden Herrschaftsbereiche alle immer nur Herzöge von Schlesien nannten,
aus: 1335 die Linie Breslau, 1392 Schweidnitz-Jauer, 1417 Liegnitz, 1428 Münsterberg,
1472 Oels, 1476 Glogau, 1504 Sagan, 1532 Oppeln usw. Einzelne Herzogtümer gelangten
vorübergehend an Dynastien wie die Hohenzollern, die sächsischen Wettiner, die
böhmischen Premysliden und die Podiebrad. 1675 schließlich starb mit dem erst
15-jährigen Herzog Georg Wilhelm von Liegnitz, Brieg und Wohlau der allerletzte
Piast in der 17.Generation seit Herzog Heinrich I. Ganz Schlesien gehörte nun
unmittelbar zu den Ländern der seit 1526 von den Habsburgern getragenen Böhmischen
Krone.
Dem vorausgegangen war auch der Übertritt der meisten Herzogtümer
zur lutheranischen Konfession. Schon in den 1520/30er Jahren wurden Liegnitz,
Breslau, Schweidnitz-Jauer, Oels usw. und auch große Teile der oberschlesischen
Herzogtümer (siehe dort) evangelisch. Die im 17. Jahrhundert, vor allem seit
Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) massiv einsetzende und maßgeblich von
Jesuiten betriebene Gegenreformation führte zur teilweisen Rekatholisierung
des Landes, das aber danach immer konfessionell gespalten blieb. Der Anteil
der Lutheraner nahm von Nordwesten nach Südosten ab, der der Katholiken ziemlich
gleichmäßig zu (siehe unten). Die Hauptstadt Breslau blieb immer bikonfessionell,
wobei nebenher die jüdische Gemeinde durch Zuwanderung aus Polen und Rußland
später zur größten Ostdeutschlands wurde.
1742 kam der größte Teil Schlesiens und zusätzlich die Grafschaft
Glatz nach dem 1.Schlesischen Krieg und endgültig durch den Frieden von Hubertusburg
(1763) an Preußen. Nur die - längst herzogslosen - Herzogtümer Troppau-Jägerndorf
und Teschen blieben bei Österreich (siehe Sudetendeutsche). Unter Friedrich
II. wurden umfangreiche Kolonisationsprojekte vorangetrieben, die gesamte Provinzialverwaltung
modernisiert. Etwa eine Million Menschen lebten um 1740 in dem Land, 1779 zählte
man 1,5 Millionen.
Preußens Provinz Schlesien, seit 1815 im Deutschen Bund, seit
1871 im Deutschen Reich, hatte 1885 bereits 4,1 Millionen Einwohner, darunter
3,2 Millionen Deutsch- und 850.000 Polnisch- bzw. Oberschlesisch-Sprachige.
Im südwestlichen Oberschlesien um Ratibor lebten 60.000 Tschechisch/Mährisch-sprachige
"Schlonsaken". Die Bevölkerung der Provinz war zu 52 Prozent katholisch,
insbesondere in Oberschlesien und der Grafschaft Glatz. In Breslau lebte überdies
die drittgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands.
1920 kam es nach dem Ersten Weltkrieg und einer Volksabstimmung
in Teilen Oberschlesiens zur Abtrennung Ost-Oberschlesiens an Polen (siehe Oberschlesier).
Die Abstimmung selber hatte bewiesen, daß gerade in Oberschlesien die Sprache
kein Nationalitätskriterium war: In einem Kreis wie Groß-Strehlitz, dessen Bevölkerung
sich 1910 nur zu17 Prozent als deutschsprachig erklärt hatte, stimmten 1921
49,3 Prozent für den Verbleib bei Preußen und Deutschland. Im Kreis Kreuzburg,
einem der wenigen evangelischen Oberschlesiens, stimmte die Bevölkerung (1910
nur zu 47 Prozent deutschsprachig) mit 96 Prozent gegen den Anschluß an Polen.
Auch in den großen Städten des abzutretenden Gebiets hatte die Mehrheit für
Deutschland optiert (Königshütte 75 Prozent, Kattowitz 85 Prozent). In Ratibor
oder Oppeln, die dann auch bei Deutschland blieben, hatten über 90 bzw. 95 Prozent
für Deutschland gestimmt usw.
In den zwei Dritteln Oberschlesiens, die nicht an Polen fielen,
stimmten 1922 in einer weiteren Abstimmung über 90 Prozent gegen eine Eigenstaatlichkeit
innerhalb des Deutschen Reiches und für den Verbleib bei Preußen.
In den drei preußischen Regierungsbezirken Schlesiens (rund 35.000qkm)
lebten 1939 4,6 Millionen Menschen, im Bezirk Liegnitz (östlich der Neiße) 1.070.000,
in Breslau 1.970.000 und in Oppeln 1.530.000. Der Anteil der nichtdeutschen
Bevölkerung lag in Nieder- und Mittelschlesien unter einem Prozent, in sehr
vielen Städten und Gemeinden bei Null. Der Regierungsbezirk Liegnitz war 1933
zu 81 Prozent, Breslau zu 58 Prozent evangelisch, Oppeln/Oberschlesien zu 89
Prozent katholisch. Etwa 0,8 Prozent der Schlesier (35.000) waren jüdischen
Glaubens.
Aus diesem Gebiet fielen als Soldaten im Krieg 280.000 Schlesier.
Etwa 60.000 Zivilisten kamen während der sowjetischen Belagerung und Beschießung
von Breslau Februar-Mai 1945 um. Zehntausende Flüchtlinge aus Schlesien verbrannten
im Februar 1945 im unverteidigten Dresden. Bei Flucht und Vertreibung und in
polnischen Konzentrationslagern wie den berüchtigten Lagern Lamsdorf, Zgoda
bei Schwientochlowitz oder in Gleiwitz starben 1945/47 400.000 Zivilisten an
Erschöpfung, Hunger oder durch Mord und Totschlag. Jeder sechste Schlesier ist
in den 40er Jahren keines natürlichen Todes gestorben. Die Vertreibung aus Nieder-
und Mittelschlesien war nahezu total, in Oberschlesien wurde ein Teil der Bevölkerung
zum Teil aus ökonomischen (Bergleute), zum Teil aus rassistischen Gründen (als
"autochthone" Slawen) zurückgehalten (siehe Oberschlesier).
Zwar kamen vor allem nach Breslau besonders viele polnische Vertriebene
aus dem 1939 und 1944 wieder an die Sowjet-Ukraine gefallenen Lemberg (poln.
Lwów, ukr. Lwiw), aber die Mehrzahl der Neusiedler in Schlesien stammte aus
Zentralpolen oder waren Remigranten aus Westeuropa.
Nur der westlich der Neiße gelegene Zipfel Schlesiens um (West-)Görlitz,
Weißwasser, Hoyerswerda und Niesky kam 1945 nicht unter polnisches Regime, sondern
zur Sowjetischen Besatzungszone, 1949 zur DDR und gehört seit 1990 zur Bundesrepublik
Deutschland.
1950 lebten in Westdeutschland (mit West-Berlin) 2,1 Millionen,
in der DDR (mit Ost-Berlin) 1,1 Millionen aus der Provinz Schlesien in ihren
Vorkriegsgrenzen Vertriebene. Hinzuzurechnen sind die Ost-Oberschlesier (siehe
Oberschlesier) und Sudetenschlesier (siehe Sudetendeutsche).
In den folgenden Jahrzehnten, zumal Mitte der 50er, zu Beginn
der 70er und massiv Ende der 80er Jahre verließen hunderttausende Schlesier
als Aussiedler das Land und stellten mit Abstand den größten Teil der deutschen
Aussiedler aus der Volksrepublik (seit 1989 Republik) Polen, alleine in den
Jahren 1988-91 etwa 470.000 von 540.000.
Heute leben noch etwa 300-500.000 Deutsche in den Woiwodschaften
Oppeln und "Schlesien" (Slask; = Ost-Oberschlesien mit Kattowitz).
In der seit 1997 bestehenden Woiwodschaft Niederschlesien (Dolny Slask) leben
einige tausend Deutsche nur in zerstreuter Lage. Etwa 150.000 haben sich seit
Anfang der 90er Jahre ihre fortbestehende deutsche Staatsangehörigkeit durch
die Ausstellung deutscher Pässe bestätigen lassen. Im polnischen Sejm ist die
Volksgruppe seit 1991 mit eigenen Abgeordneten vertreten. Die Aussiedlungsbewegung
ist auch wegen der seit 1990 herrschenden Freizügigkeit und Reisefreiheit, aber
auch wegen deutscherseits erhöhter bürokratischer Hürden seit Mitte der 90er
Jahre gegen Null zurückgegangen.
In der Bundesrepublik organisierten sich die Schlesier in der
im März 1950 gegründeten Landsmannschaft Schlesien - Nieder-und Oberschlesien,
die heute in Königswinter sitzt, ein Teil der Oberschlesier in der 1949/50 entstandenen
Landsmannschaft der Oberschlesier (Sitz: Ratingen-Hösel). Eine Patenschaft über
die Schlesier übte von 1955-90 das Land Niedersachsen aus, Pate der Oberschlesier
ist seit 1964 Nordrhein-Westfalen.
Die
Siebenbürger Sachsen
In Siebenbürgen (ca. 60.000 qkm), dem mit Unterbrechung durch
die 150-jährige Türkenherrschaft im 16./17. Jahrhundert 1000 Jahre zu Ungarn
gehörenden Transsilvanien (ung. Erdély, rum. Ardeal) im Karpatenbogen, leben
Deutsche seit über 850 Jahren. Im Jahr 1141 kamen auf Einladung der herrschenden
Arpaden-Könige Ungarns zuerst einige tausend nordwestdeutsche und flämische
Kolonisten ins Land. Nur wenige dürften wirklich aus Ober- oder Niedersachsen
gekommen sein. Der ungarische König Andreas II. dekretierte 1224 in seinem "Goldenen
Freibrief" "unseren getreuen Gastsiedlern, den Deutschen jenseits
des Waldes", daß ihnen die bei der Ansiedlung gewährten Privilegien für
immer erhalten bleiben: Grundbesitz, Steuer- und Zollfreiheit, Freizügigkeit,
freie Richter- und Pfarrer-Wahl usw. Sogenannte Lokatoren (Anwerber) sorgten
für stetigen Zuzug aus dem Reich nach (Alt-)Ungarn. Vorübergehend (1211-25)
trieb auch der Deutsche Orden die Kolonisation insbesondere im Burzenland (ung.
Bárczaság, rum. Tara Bârsei) im Südosten Siebenbürgens um Kronstadt (ung. Brassó,
rum. Brasov) voran, bevor er den Ungarn zu eigenwillig wurde und seine Tätigkeit
nach Ostpreußen (siehe dort) verlegte.
Die "Sachsen" waren als Handwerker, Händler, Bauern
und Bergleute tätig und erschlossen das nur dünn besiedelte Land. Der Einfall
der Mongolen 1241 warf das Kolonisationswerk zurück, führte aber auch dazu,
daß die (Neu-)Besiedlung stärker städtisch ausgerichtet wurde. Es entstanden
neben oder anstatt bäuerlicher Siedlungen befestigte deutsche Städte wie Hermannstadt
(ung. Nagyszeben, rum. Sibiu), Kronstadt, Bistritz (ung. Beszterce, rum. Bistrita),
Klausenburg (ung. Kolozsvár, rum. Cluj), Schäßburg (ung. Segesvár, rum. Sighisoara)
und andere. Dies blieb auch immer einzigartiges Merkmal der Siebenbürger Sachsen
gegenüber den teilweise erst ein halbes Jahrtausend später nach (Alt-) Ungarn
in den Donau-Raum kommenden deutschen Siedlern: Die starke Urbanität wie auch
später in den 1540er Jahren die sich rasch und vollständig für immer durchsetzende
Reformation, repräsentiert vom eigenen "Sachsen-Bischof".
1486 wurde die "Sächsische Nationsuniversität", wie
man die Gesamtheit der "Sachsen" Siebenbürgens nannte, neben ungarischem
Adel und dem leibfreien ungarischen Völkchen der Szekler endgültig vom ungarischen
König Matthias Corvinus als dritte Staatsnation Siebenbürgens bestätigt - die
Rumänen und die mit der Zeit sehr zahlreichen Zigeuner blieben aus den Staatsangelegenheiten
ausgeschlossen.
Die schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts immer zahlreicheren
und aggressiven türkischen Vorstöße und Raubzüge mündeten schließlich ab 1526
in die faktische Loslösung Siebenbürgens aus Ungarn und in den Vasallenstatus
gegenüber den osmanischen Sultanen (1529). Die drei "nationes" des
Adels, der Sachsen und der Szekler wählten den Fürsten, den Woiwoden (bis 1688).
Der unklare Zustand Siebenbürgens zwischen dem jetzt habsburgischen (Rest-)
Ungarn und den Türken führte in den folgenden eineinhalb Jahrhunderten immer
wieder zu Kriegen, Aufständen,Verwüstungen und auch zu einem Rückgang des Siedlungswerkes:
Teile des im Mittelalter von den Sachsen kolonisierten Gebiets gingen wieder
verloren. 1695 zählte man in 228 sächsischen Ortschaften 6.000 wüste, aufgegebene
Höfe. Die Deutschen lebten nun in vier teilweise unverbundenen Landesteilen:
dem größten Teil des "Königsbodens" (ung. Királyföld, rum. Pamântul
Craiesc) um Hermannstadt, dem Nösnerland um Bistritz, dem Burzenland um Kronstadt
und im sogenannten Kokelgebiet um Schäßburg und Mediasch (ung. Medgyes, rum.
Medias).
In den 1680er Jahren wurde das Land von den Österreichern erobert,
die sich nur in langen Kämpfen gegen den Widerstand der Ungarn, zeit- und teilweise
auch der Sachsen durchsetzten und die Autonomie des Landes schrittweise zerstörten.
Der zentralistische Absolutismus und Katholisierungsdruck der Österreicher machte
auch den Sachsen zu schaffen, die sich jetzt - wie auch im 19. Jahrhundert,
vor allem seit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 - gegen Madjarisierungsdruck
behaupteten, obwohl 1876 die Nationsuniversität als Körperschaft und der Königsboden
als Selbsterwaltungseinheit aufgelöst wurden. Wichtigster Integrationsfaktor
der Sachsen blieb die evangelische Kirche.
Erst 1918/20, mit dem Übergang Siebenbürgens an Rumänien, setzte
wieder eine ungestörte politische und Selbstverwaltungstätigkeit ein. 235.000
Deutsche lebten zu der Zeit in Transsilvanien (8,5 Prozent der Bevölkerung)
neben Rumänen (56,5 Prozent), Ungarn und Szeklern (31,4 Prozent) sowie kleineren
anderen Gruppen. Nach den Banater Schwaben waren die Sachsen die zweitgrößte
deutsche Volksgruppe im neuen Groß-Rumänien. Wie andere Auslandsdeutsche gerieten
auch die Siebenbürger Sachsen und ihre Organisationen in den 30er Jahren teilweise
unter Einfluß der NS-Auslandsarbeit, vollends nach Übernahme der "Volksgruppenführung"
durch den Himmler-Vertrauten Andreas Schmidt (1912-48) 1940.
Als der Norden Siebenbürgens mit dem Nösnerland, Klausenburg und
Sathmar 1940-45 von Rumänien an Ungarn abgetreten werden mußte, waren hiervon
- neben den Sathmarer Schwaben (siehe dort) - auch rund 35.000 Sachsen betroffen.
Im rumänisch gebliebenen Süd-Siebenbürgen lebten 1941 213.000 Deutsche.
Von den aufgrund deutsch-rumänischer Absprachen etwa 54.000 zur
Wehrmacht oder zur Waffen-SS zwangsverpflichteten Sachsen sind 8-9.000 im Krieg
gefallen. Rund 50.000 konnten Ende 1944 noch vor dem Einmarsch der Sowjets aus
Siebenbürgen in den Westen evakuiert werden, rund 35.000 Sachsen wurden danach
bis 1949/50 zur Zwangsarbeit in die UdSSR verschleppt, wo Tausende umkamen.
1948 wurden im nun wieder ungeteilt rumänischen Siebenbürgen noch
knapp 160.000 Deutsche gezählt. In den folgenden Jahrzehnten, vor allem in den
70/80er Jahren siedelten Zehntausende nach Westdeutschland aus, nach dem Zusammenbruch
des kommunistischen Regimes 1989/90 der Großteil der noch im Lande lebenden
(60-70.000 Aussiedler). Heute (2002) leben noch etwa 17.000 zumeist ältere Deutsche
in Siebenbürgen, die im siebenbürgischen Regionalforum des Demokratischen Forum
der Deutschen Rumäniens (DFDR) organisiert sind. Seit Mai 1990 sind sie im Bukarester
Parlament mit einem Abgeordneten vertreten. Das Regionalforum Siebenbürgen des
DFDR trat 1992 der seit 1983 bestehenden internationalen "Föderation der
Siebenbürger Sachsen" bei.
Die Patenschaft über den seit Januar 1949 bestehenden Verband
(seit Ende 1950: Landsmannschaft) der Siebenbürger Sachsen in Deutschland übt
das Land Nordrhein-Westfalen aus.
Die
Sudetendeutschen
Die Heimat der Sudetendeutschen sind die knapp 28.000 Quadratkilometer
umfassenden Randgebiete von Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien, jenem kleinen
Teil Schlesiens, der 1763 nach dem Siebenjährigen Krieg zwischen Österreich
und Preußen bei Österreich geblieben war. Auch die Grafschaft Glatz fiel an
Preußen/Schlesien.
Die Bezeichnung "Sudetendeutsche" leitet sich von dem
rund 330 Kilometer langen Gebirgszug der Sudeten ab, der sich im Norden Böhmens,
Mährens und Sudetenschlesiens hinzieht. Der Name "Sudetendeutsche"
setzte sich seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, vor allem ab 1919, als Sammelbegriff
für die über drei Millionen Deutschen in den böhmischen Länder durch. Die Sudetendeutschen
sind in sich durchaus vielfältig. Sie unterscheiden sich nach Mundart, Herkunft
und regionaler Kultur entsprechend den angrenzenden deutschen Regionalbevölkerungen
der Altbaiern, Franken, Sachsen und Schlesier, aus deren Gebieten dann im Mittelalter
die Besiedlung erfolgte.
Bevor die Tschechen in der Mitte des 6. Jahrhunderts in das Innere
Böhmens und Mährens gelangten, war dieses Land schon über 500 Jahre lang von
germanischen Stämmen - Markomannen entlang der Elbe in Böhmen und Quaden in
Mähren - bewohnt. Im 12. und 13. Jahrhundert riefen
dann böhmische Herzöge und Könige Deutsche als Bauern, Bergleute, Handwerker,
Kaufleute und Künstler ins Land, um vor allem die bis dahin nur sehr dünn besiedelten
gebirgigen Randgebiete erschließen und kultivieren zu lassen. Zentren des Gebiets
waren deutsche Städte wie Leitmeritz (deutsches Stadtrecht 1227), Eger (1242),
Brünn (1243), Pilsen (1288) usw.
Die böhmischen Länder waren seit dem 10. Jahrhundert ein Bestandteil
des Heiligen Römischen Reiches, wenn auch mit einem oft großen Maß an Eigenständigkeit.
Die böhmischen Könige gehörten seit dem 14.Jahrhundert zu dem sich damals herausbildenden
siebenköpfigen Kurfürstenkollegium. Von 1346-1400 (Luxemburger) und von 1526-1806
(Habsburger) waren die böhmischen Könige fast ununterbrochen auch Römisch-Deutsche
Kaiser. Rund 800 Jahre lang lebten Deutsche und Tschechen zumeist friedlich
neben- und miteinander. Soweit es Spannungen gab, hatten diese eher religiöse
und soziale als nationale Ursachen. Auch wurden diese Konflikte außer in den
Hussitenkriegen (1419/20-1436) nicht gewaltsam ausgetragen. Während dieser Kriege
wurden in den 1420er Jahren die bis dahin ziemlich großen deutschen Sprachinseln
in Innerböhmen weitgehend vernichtet. Dies geschah durch Vertreibung und Assimilation,
teilweise aber auch durch physische Vernichtung der deutschen Bewohner. Ganze
deutsche Städte wie Aussig, Teplitz werden zerstört Die Deutschen in Prag und
in den Grenzregionen überstanden die Hussitenkriege dagegen, wenn auch mit erheblichen
Verlusten. Das gesamte Land, das vor den Hussitenkriegen in Europa eine führende
Stellung hatte, wurde in seiner Entwicklung weit zurück geworfen. Es dauerte
rund 200 Jahre, bis dieser Rückstand aufgeholt war.
1526 kamen die böhmischen Länder unter die Herrschaft der Habsburger
und wurden damit ein Teil Österreichs. Ein weiteres wichtiges Datum ist die
Schlacht am Weißen Berg zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges bei Prag (1620),
als die katholischen Habsburger einen Aufstand böhmischer Protestanten (darunter
gleichermaßen Tschechen und Deutsche) niederschlugen. Mit der nun einsetzenden
Restauration und Gegenreformation wurde die tschechische Sprache aus dem öffentlichen
Leben teilweise verdrängt.
Böhmen und Mähren gehörten zusammen mit ganz Österreich bis 1806
dem römisch-deutschen Reich und von 1815 bis 1866 dem Deutschen Bund an. 1848
wählten und entsandten auch die Sudetendeutschen Abgeordnete in die erste deutsche
Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Auch tschechische Abgeordnete
aus Mähren waren dort vertreten, nicht aber tschechische Abgeordnete aus Böhmen.
Einen wesentlichen Anteil an der kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklung
der böhmischen Länder hatte nicht zuletzt die jüdische Gemeinschaft, die ganz
überwiegend deutschsprachig war.
Das Ende des Ersten Weltkriegs 1918 brachte die Zerschlagung des
österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaates. Die rund 6,7 Millionen Tschechen
forderten einen eigenen Staat, dem auch die industriereichen Siedlungsgebiete
der Sudetendeutschen angehören sollten.
Nach der Ausrufung der Tschechoslowakischen Republik (CSR) am 28. Oktober 1918
forderten die Sudetendeutschen unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht
der Völker den Verbleib ihrer Heimatgebiete bei dem zur Republik Deutsch-Österreich
verkleinerten österreichischen Staat. Im Vertrauen auf das von den Siegermächten
proklamierte Selbstbestimmungsrecht leisteten die Sudetendeutschen nur geringen
Widerstand gegen die Besetzung ihres Landes durch tschechisches Militär (31.10.1918
- 28.1.1919). Nur vereinzelt kam es zu Kämpfen oder blutigen Übergriffen mit
einigen dutzend Todesopfern unter den Deutschen
Bis zum Jahresende 1918 waren etwa 95% der sudetendeutschen Gebiete
militärisch besetzt. Am 4. März 1919 demonstrierte fast die ganze sudetendeutsche
Bevölkerung friedlich für ihr Selbstbestimmungsrecht. Diese Demonstrationen
waren von einem eintägigen Generalstreik der Deutschen begleitet. Die Initiative
zu diesen Demonstrationen ging auf die sudetendeutschen Sozialdemokraten, die
seinerzeit stärkste Partei, zurück, wurde aber von den bürgerlichen deutschen
Parteien unterstützt. Diese Großkundgebungen wurden von tschechischem Militär
zerschlagen, wobei es zu 54 Toten und weit über hundert Verletzten kam.
Gegen ihren ausdrücklichen Willen wurden die Sudetendeutschen
durch den Vertrag von St. Germain vom 10.9.1919 der Tschechoslowakei zugeschlagen
und vom tschechischen Staat als "Minderheit" angesehen, obwohl sie
zu 90 Prozent in Gebieten lebten, in denen sie selber 90 Prozent und mehr der
Bevölkerung stellten.
Maßgeblichen Anteil an der Entstehung der CSR hatte der Vertraute
des späteren Präsidenten Tomaš Garrigue Masaryk, Edvard Beneš. Er agierte bei
den Pariser Friedenskonferenzen skrupellos und mit großem Geschick, wie seine
Denkschriften und gefälschten Karten für die Friedenskonferenz zeigen.
Die Bevölkerung der Tschechoslowakei setzte sich 1921 zusammen
aus 6,6 Millionen Tschechen, 3,2 Millionen Deutschen, zwei Millionen Slowaken,
0,7 Millionen Ungarn, einer halben Million Ruthenen (Ukrainern), 300.000 Juden,
100.000 Polen, außerdem Zigeunern, Kroaten und weiteren Gruppen. Die Deutschen
stellten somit ein Drittel der Bevölkerung der böhmischen Länder. Den Anspruch
auf Dominanz im neuen Staat konnte man nur durch die Fiktion eines "tschechoslowakischen"
Volkes konstruieren.
Obwohl die Gründung der CSR also in Gegensatz zum Willen der Sudetendeutschen
erfolgte, unterstützten sie bei den Wahlen der zwanziger und frühen dreißiger
Jahren mehrheitlich die sogenannten aktivistischen Parteien und stellten zeitweilig
einzelne Minister. Sie konnten aber nicht die gegen die Sudetendeutschen gerichtete
Assimilierungs- und Diskriminierungspolitik verhindern: Systematische Zurücksetzung
der deutschen Sprache und Kultur, Verdrängung der Deutschen aus dem öffentlichen
Dienst, Benachteiligung der deutschen Wirtschaft in vielen Bereichen, Beschneidung
der deutschen Selbstverwaltung in Gemeinden und Bezirken.
Eine Folge dieser Politik war, daß Mitte der dreißiger Jahre die
Arbeitslosigkeit im Sudetenland etwa fünfmal höher war als in den tschechischen
Landesteilen. Insbesondere die Umsetzung der Bodenreform Anfang der 20er Jahre
und die Verdrängung der Deutschen durch Tschechen im Staatsdienst liefen auf
eine tschechische Siedlungspolitik im Sudetenland hinaus. Ab 1919 stieg der
tschechische Bevölkerungsanteil im Sudetenland jährlich um knapp ein Prozent.
Diese Politik der CSR verstieß nicht nur gegen die politische
Vernunft, sondern auch gegen von der CSR eingegangene internationale Verpflichtungen,
namentlich gegen das Minderheitenschutz-Abkommen von 1922. Sie führte allmählich
zu einer tiefen Entfremdung zwischen den Sudetendeutschen und dem tschechoslowakischen
Staat und dazu, daß die staatsbejahenden deutschen Parteien ihren Wählern gegenüber
vollständig bloßgestellt wurden. Bei den Parlamentswahlen von 1935 kam es schließlich
zum Erdrutschsieg der neugegründeten Sudetendeutschen Partei (SdP), die die
Durchsetzung der staatsrechtlichen und politischen Gleichstellung der Sudetendeutschen
in Form einer territorialen Autonomie forderte und damit rund zwei Drittel aller
deutschen Stimmen erhielt.
Der sudetendeutsch-tschechische Gegensatz hat sich schließlich
infolge des äußeren deutschen Drucks zu den Sudetenkrisen in Mai und September
1938 zugespitzt, was schließlich zum Münchner Abkommen vom 29.9.1938 führte,
aufgrund dessen die CSR namentlich auf britischen und französischen Druck die
zu über 90 Prozent von rund 3 Millionen Deutschen bewohnten Sudetengebiete an
Deutschland abtreten mußte.
Eine Folge des Abkommens war, daß ein großer Teil der seit 1919
im Sudetenland angesiedelten Tschechen dieses in kurzer Zeit verlassen mußte,
einschließlich der Soldaten und Polizisten mit ihren Familien bis zu 400.000.
Es gab dabei keine Enteignungen, und die seit jeher im Sudetenland lebenden
Tschechen waren davon nicht betroffen.
Unter Bruch des Münchner Abkommens besetzten am 15. März 1939
deutsche Truppen das Restgebiet von Böhmen und Mähren ("Reichsprotektorat"),
nachdem die CSR bereits einen Tag zuvor durch die Verselbständigung der Slowakei
und die Annexion der Karpato-Ukraine durch Ungarn faktisch zerfallen war. In
diesem Reichsprotektorat lebten jetzt immer noch die 260.000 Deutschen Prags
(1939: 41.000 altansässige Deutsche) und der innerböhmisch/-mährischen Sprachinseln
(3,5 Prozent der Protektorats-Bevölkerung).
Etwa 180.000 sudetendeutsche Soldaten starben im Krieg oder in
Kriegsgefangenschaft, dazu kamen noch an die 10.000 sudetendeutsche Zivilopfer
bei Luftangriffen und Bodenkämpfen. Das Gebiet blieb abgesehen von sporadischen
alliierten Luftangriffen bis April 1945 vom direkten Kriegsgeschehen unberührt.
Tragisch war das Schicksal von etwa - sich größtenteils der deutschen Kultur
und Sprache zurechnenden - 80.000 Juden der böhmischen Länder, die die NS-Herrschaft
nicht überlebten.
Die Vertreibung der Sudetendeutschen, von dem - nach seinem Rücktritt
1938 in London 1940 nur noch selbsternannten - tschechischen Exil-Präsidenten
Edvard Beneš aus dem Londoner Exil geplant und vorbereitet, begann unmittelbar
nach Kriegsende, im Mai 1945 mit dem "Prager Aufstand" drei Tage vor
Kriegsende. Die kommunistisch geführten tschechischen Nationalausschüsse und
sogenannte Partisanen begannen in einer ersten Phase mit massenhaften Mißhandlungen
und Morden, Austreibungen, Vergewaltigungen und Einweisungen in tschechische
Konzentrationslager, z.B. Theresienstadt. Bis zum Ende der Potsdamer Konferenz
der Siegermächte am 2.8.1945 waren bereits etwa 750.000 Sudetendeutsche "wild"
vertrieben worden. Das Jahr 1946 war die eigentlich Hauptphase der Vertreibung.
Nach neuesten Untersuchungen kamen ungefähr 165.000 Sudetendeutsche
direkt bei der Vertreibung gewaltsam ums Leben, weitere ca. 105.000 starben
während oder nach der Vertreibung an den unmittelbaren Folgen derselben. Von
den Überlebenden lebten 1950 über 1,9 Millionen überwiegend in der US-amerikanischen
(über eine Million in Bayern, 400.000 in Hessen usw.), über 700.000 in der Sowjetischen
Besatzungszone, 8.000 in Berlin, 140.000 in Österreich.
Etwa 250.000 konnten in der Heimat bleiben - oder mußten bleiben,
weil die CSR auf sie als Fachkräfte nicht verzichten wollte. Aber auch sie wurden
enteignet und innerhalb der Tschechoslowakei verschleppt, etwa 40.000 in die
UdSSR. Die zurückgehaltene deutsche Bevölkerung siedelte in den folgenden
Jahrzehnten zum überwiegenden Teil nach Westdeutschland aus. Bei der Volkszählung
1991 gaben noch knapp 50.000 Personen Deutsch als Nationalität an, die tatsächliche
Zahl dürfte um wenige zehntausend höher liegen.
In der Bundesrepublik gründeten die Sudetendeutschen schon im
Juli 1947 eine "Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung sudetendeutscher Interessen"
(seit 1955: Sudetendeutscher Rat), 1949/50 die Landsmannschaft, deren erster
Sprecher bis 1959(†) der letzte Landeshauptmann von Deutsch-Böhmen im Jahr 1918
war, Rudolf Lodgman von Auen. Die Patenschaft über die sudetendeutsche Volksgruppe
übernahm 1954 der Freistaat Bayern.
Die
Deutschen in Ungarn
Im Mittelalter riefen die ungarischen Könige deutsche und andere
westeuropäische Siedler ins Land (siehe Karpatendeutsche, Siebenbürger Sachsen
usw.), auf dem heutigen ungarischen Staatsgebiet in den seit 1920 bestehenden
Grenzen leben Deutsche jedoch schon seit dem 9. Jahrhundert als Ergebnis der
baierischen Ostkolonisation in West-Ungarn um Ödenburg (ung. Sopron), Wieselburg
(ung. Moson) und Steinamanger (ung. Szombathely), das anders als das restliche
Burgenland 1920 nicht von Ungarn an die Republik Österreich abgetreten werden
mußte.
Die mittelalterliche deutsche Binnensiedlung ging - vor allem
in den Städten - bald im politisch dominierenden madjarischen Umfeld auf. Sozialer
Aufstieg ging im ungarischen Kernland regelmäßig mit Assimilation zusammen -
anders als etwa im abgelegeneren Siebenbürgen. Das sollte sich in der späteren
Neuzeit, insbesondere im 19./20. Jahrhundert bei der städtischen Bevölkerung
und der Intelligenz fortsetzen.
Erst im Zuge der neuzeitlichen, durch die Habsburger staatlich
gelenkten Kolonisation im von den Türken seit den 1720er Jahren befreiten und
zu der Zeit fast entvölkerten Land entstanden größere zusammenhängende deutsche
Siedlungsgebiete wie im Ofner Bergland im Nordwesten, der Schwäbischen Türkei
(ungarische Komitate Baranya/ Branau, Somogy/Schomodei, Tolna/Tolnau) zwischen
Donau und Drau (siehe Donauschwaben) um Fünfkirchen (ung. Pécs), aber auch um
Ofen (ung. Buda) und Pest (beide erst 1872 mit Obuda vereinigt zu Budapest)
entstanden einzelne deutsche Dörfer.
Die Besiedlung erfolgte im ungarischen Kernland stetig, griff
auch über den bäuerlichen Bereich hinaus und führte zur Bildung eines gewerblichen
Mittelstands. Das stand aber weiterhin im Schatten andauernder Madjarisierung,
was sich nach dem Ausgleich von 1867, also nach der staatsrechtlichen Gleichstellung
(Alt-)Ungarns mit der österreichischen "Reichshälfte" massiv verstärkte.
Man geht davon aus, daß in den Jahren 1880-1910 durch Assimilation zwei Millionen
neue Ungarn bzw. Madjaren "entstanden", darunter 600.000 Deutsche,
700.000 Juden, 200.000 Slowaken usw. Die zum Madjarentum übergetretenen assimilierten
Deutschen wurden von den hierzu nicht bereiten ungarländischen Deutschen abfällig
"Madjaronen" genannt. Zudem wanderten allein in den Jahren 1899-1913
über 200.000 Deutsche aus dem Königreich Ungarn zumeist nach Amerika aus, davon
über 90.000 Banater Schwaben, 50.000 aus dem späteren "Trianon-Ungarn"
(siehe unten), also dem Kernland, 25.000 aus der Batschka usw.
Die im Ergebnis des Ersten Weltkrieges durch den Vertrag von Trianon
(4.Juni 1920) erzwungene Reduzierung des Königreichs Ungarn - "Königreich"
blieb es auch ohne König bis 1944 unter dem "Reichsverweser" Admiral
Miklos Horthy - auf die dreißig Prozent Gebiet des Kernlands führte zur Zersplitterung
der bisher ungarländischen Deutschen auf fünf Staaten: Jugoslawien (West-Banat,
Slawonien, Süd-Batschka; siehe Donauschwaben), Rumänien (Ost-Banat, Siebenbürgen
mit Sathmar; siehe jeweils dort), Tschechoslowakei (Karpatendeutsche; siehe
dort), Ungarn selbst und auch Österreich (Burgenland ohne Ödenburg/Sopron).
Im durch diese vielfältigen Gebietsverluste des multinationalen
Königreichs von 327.000 auf 93.000 qkm geschrumpften relativ homogenen Ungarn
lebte gleichwohl immer noch eine Vielzahl nationaler Minderheiten, darunter
als größte die deutsche, deren Zahl 1920 mit rund 550.000 (6,9 Prozent der Bevölkerung),
1930 mit 480.000 (5,5 Prozent) angegeben wurde. Alle anderen Minderheiten -
ohne Roma - stellten zusammen nur 3,5 Prozent der Bevölkerung. Die Volksgruppe
selber zählte in einer eigenen Erhebung im Jahr 1930 rund 650.000, worunter
sich aber etliche "Madjaronen" befunden haben dürften.
Einer der maßgebenden Sprecher der Deutschen in Trianon-Ungarn,
Jakob Bleyer, war 1919/20 Nationalitätenminister. Doch auch unter dem autoritären
Horthy-Regime wurde weiter eine massive Assimilationspolitik mit Abdrängung
der deutschen Sprache aus Bildungseinrichtungen und öffentlichem Leben überhaupt,
wirtschaftlicher Ausgrenzung getrieben, bezeichnenderweise mit am krassesten
unter dem radikalnationalistischen und gute Beziehungen zu NS-Deutschland pflegenden
Madjaronen Gyula Gömbös (eigtl. Julius Knöpfle; Ministerpräsident 1932-36).
Wie andere Auslandsdeutsche gerieten unter dem Druck der inneren Verhältnisse
auch die ungarländischen und ihre Organisationen in den 30er Jahren teilweise
unter Einfluß der NS-Auslandsarbeit.
Von den Deutschen Ungarns fielen 32.000 als Wehrmachts- oder Honvéd-Soldaten
im Krieg. Während 1944/45 noch 50.000 Ungarndeutsche vor dem Einmarsch der Sowjets
evakuiert werden konnten, wurden danach 60-65.000 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion
deportiert, wo tausende umkamen. Im Sommer 1945 wirkte die neue und schon teilweise
kommunistische ungarische Regierung auf die in Potsdam konferierenden Haupt-Alliierten
ein, sie zur Zwangsausweisung der Deutschen aus Ungarn zu bevollmächtigen. Die
Vertreibung begann im Januar 1946 und betraf nur etwa die Hälfte der noch Anwesenden:
200-220.000 - ein einzigartiger Vorgang im Gesamtkomplex der Vertreibungen dieser
Zeit. Verursacht wurde das Ende der Ausweisungen durch die US-Amerikaner wegen
völliger Überlastung ihrer Besatzungszone. Etwa 6.000 haben die Strapazen der
Transporte und vereinzelte Übergriffe nicht überlebt.
Mehrere bereits seit 1949 bestehenden Landesorganisationen schlossen
sich im März 1951zur Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn zusammen. Die
Patenschaft über sie nehmen die Städte Backnang und Gerlingen wahr.
Weichsel-Warthe
In der Landsmannschaft Weichsel-Warthe sind die Deutschen aus
den 1815 an Rußland bzw. Österreich gefallenen polnischen Gebieten sowie die
der ehemaligen preußischen Provinz Posen zusammengeschlossen, mithin die Deutschen
der II. Polnischen Republik (1919-39) außer den Westpreußen und den (Ost-)Oberschlesiern.
Sie entstammen den vier sehr unterschiedlichen Siedlungsgruppen der Deutschen
aus der ehemaligen Provinz Posen, aus Mittelpolen um Lodz, aus Galizien mit
dem Zentrum Lemberg und aus Wolhynien.
Schon seit dem 12., in größerer Zahl seit dem 13. Jahrhundert
kamen auf Ruf der polnischen Landesherren nach den Mönchen deutsche Siedler
und Kaufleute in das Gebiet der späteren I. Polnischen (Adels)Republik, die
seit dem 16. Jahrhundert ein Wahlkönigtum war, und bestimmten lange Zeit das
Bild der Städte. Sie bildeten als erste eine bürgerliche, städtische Mittelschicht
in dem sonst fast nur agrarischen Land. Anreger der deutschrechtlichen, mit
Verleihung zahlreicher Privilegien verbundenen Kolonisation waren die ansässigen
Grund- und Landesherren, die polnischen "Magnaten", die sich technische
Innovation und ökonomischen Fortschritt versprachen. In Städten wie Gnesen (1253
deutsches Stadtrecht), Posen (1253), selbst in der - damaligen - Hauptstadt
Krakau (1257) usw. stellten Deutsche im 13./14. Jahrhundert oft die Hälfte der
Bevölkerung.
Für die bäuerliche deutsche Siedlung wurden - wie etwa auch in
Schlesien und Pommern - Prämonstratenser-Klöster wie Lekno (1143) oder Strelno
(1193) bald zu Kristallisationspunkten. Wie dort kam die Siedlungsbewegung im
14. Jahrhundert zum Erliegen; eine weitgehende Assimilation der kaum irgendwo
geschlossen siedelnden Deutschen folgte in Stadt und Land. Dennoch waren noch
im 16. Jahrhundert etwa je ein Drittel der Bevölkerung Krakaus oder Lembergs
deutsch. Zu dieser Zeit war das konfessionell noch tolerante Polen, insbesondere
das sogenannte Großpolen (um Posen und Gnesen) Zufluchtsort vieler deutscher
Protestanten, die Schlesien unter dem Druck der Gegenreformation verlassen mußten.
In den 1793/95 durch die 2. und 3. Teilung Polens nur vorübergehend
(bis 1807) an Preußen gekommenen Gebieten (dem sogenannten "Südpreußen")
wurde in wenigen Jahren ein umfangreiches staatliches Landerschließungswerk
umgesetzt, das zur Gründung etlicher neuer deutscher Siedlungen führte. Das
Gebiet um Posen, von 1815-48 Großherzogtum innerhalb Preußens, danach nur noch
Provinz, aber bis in die 1870er Jahre offiziell deutsch/polnisch zweisprachig,
hatte um 1900 etwa 40 Prozent deutsche Bevölkerung. Doch schon seit der Mitte
des 19. Jahrhunderts war Posen Zentrum der nationalpolnischen Bewegung in Preußen:
Die überwiegend ländlichen Posener Wahlkreise Buk, Kröben, Schrimm, Wreschen,
Krotoschin und Adelnau sowie die Bromberger Wahlkreise Inowrazlaw (dt. 1905:
Hohensalza) und Gnesen wählten zwischen 1867 und 1912 ausnahmslos, die Wahlkreise
Posen-Stadt, Posen-Samter und Bromberg-Wirsitz fast immer polnische - zumeist
adlige - Abgeordnete in den Deutschen Reichstag.
Im österreichischen Galizien lebten um 1900 fast 80.000 Deutsche
(1,1 Prozent der Bevölkerung). 1918/19 kam das im Osten mehrheitlich ukrainisch
bevölkerte Land an Polen.
Im russischen Mittelpolen entstanden noch in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts deutsche Kolonien in und um Lódz (Industrie) und bäuerliche
Siedlungen im Gebiet von Cholm. Insgesamt wurden im russischen sogenannten Kongreß-Polen
1897 über 400.000 Deutsche gezählt, die zu über 90 Prozent evangelisch waren.
In Wolhynien, wo Deutsche - insbesondere Mennoniten - verstärkt seit 1820 siedelten,
lebten 1897 170.000 Deutsche. Zehntausende wurden 1915/16 ins Innere Rußlands
verschleppt. Der westliche Teil Wolhyniens um Luck fiel 1921 an Polen.
In den 1918/21 von der II. Polnischen Republik einverleibten früheren
Teilungsgebieten - ohne Ost-Oberschlesien und Westpreußen! - lebten 1939 insgesamt
noch fast 700.000 Deutsche: 360.000 in Mittelpolen (davon 155.000 in der Woiwodschaft
Lódz), über 190.000 in den Woiwodschaften Bromberg/Bydgoszcz und Posen/Poznan
(ungefähr das Gebiet der zuvor preußischen Provinz Posen), 70.000 in Galizien,
65.000 in (West-)Wolhynien. In den vorangegangenen Jahren hatte eine massive
legislative und administrative Verdrängung Deutscher aus den an Polen gefallenen
Gebieten stattgefunden, die allein in Westpreußen (siehe dort) und dem Warthegebiet
um Posen über 700.000 Menschen betroffen hatte. Im Gebiet der Woiwodschaft Posen
sank die Zahl der deutschen Bevölkerung von 1910 noch 363.000 (28,5 Prozent)
auf 1931 97.000 (7,1 Prozent). 1922 und1928 stammten jeweils neun der 17 bzw.
20 deutschen Abgeordneten zum polnischen Sejm aus Polen und dem Posener Land.
1939 wurde das Posener Land als "Reichsgau Wartheland" annektiert
und nahm 1939/40 rund 250.000 deutsche Umsiedler aus von der UdSSR annektierten
ost- und südosteuro-päischen Gebieten auf: fast 100.000 aus Wolhynien, 70.000
Deutsche aus Rumänien, 50.000 Deutschbalten usw. Etwa 450.000 Polen wurden in
das "Generalgouvernement" vertrieben.
Geht man davon aus, daß die Deutschen aus Posen und Polen ebenso
hohe Kriegs- und Nachkriegsverluste hatten wie die volksdeutsche Bevölkerung
der II. Republik insgesamt, ist anzunehmen, daß etwa 50.000 im Krieg als deutsche
-zum geringen Teil 1939 auch als polnische - Soldaten gefallen und etwa 100.000
durch Exzeßtaten, Mord, Totschlag, in Lagern, während oder nach der Deportation
in die Sowjetunion (insgesamt aus Vorkriegs-Polen über 100.000) oder bei der
Vertreibung gewaltsam ums Leben gekommen sind.
In Westdeutschland wurde im Mai 1949 die Landsmannschaft Weichsel-Warthe
gegründet, in der sich ein Teil der rund 400.000 Deutschen aus der II. Polnischen
Republik organisierte, während die Westpreußen und (Ost-)Oberschlesier eigene
Verbände gründeten (siehe jeweils dort). Etliche zweisprachige Deutsche wurden
als "Autochthone" zurückgehalten und verließen das kommunistische
Polen in den folgenden Jahrzehnten nach und nach als Aussiedler.
Pate der Deutschen aus dem Lodzer Industriegebiet ist Mönchengladbach.
Die
Westpreußen
Das seit dem 6./7. Jahrhundert von den slawischen Pomoranen besiedelte
Herzogtum Pommerellen westlich der unteren Weichsel löste sich im 11. Jahrhundert
von Pommern und geriet zeitweise unter polnische Herrschaft. Östlich der Weichsel
siedelten seit dem Wegzug der Germanen die baltischen Prußen (siehe Ostpreußen).
Die deutsche Besiedlung des späteren Westpreußen mit Pommerellen
um Danzig als Hauptteil und mit Pomesanien und dem Kulmerland östlich der Weichsel
begann im wesentlichen ebenso wie die Ostpreußens (siehe dort) mit der Eroberung
und Missionierung durch den Deutschen Orden zu Beginn des 13. (Kulmerland) bzw
14. Jahrhunderts (Pommerellen). Nach dem Aussterben der pomoranischen Samboriden-Herzöge
von Pommerellen 1295 und Auseinandersetzungen mit Polen, Pommern und Brandenburg
setzte der Orden 1309 seine Landesherrschaft auch links der Weichsel durch.
Trotz Gründung zahlreicher Städte wie Kulm, Marienwerder und Thorn (deutsches
"kulmisches" Stadtrecht 1233), Elbing (1246), Marienburg (um 1280),
Graudenz (1291), Bromberg (1346), Preußisch-Stargard (1348) usw. verhinderte
insbesondere die Abtretung Pommerellens, des Kulmerlands und des Ermlands (siehe
Ostpreußen) durch den Deutschen Orden an die polnische Krone 1466, daß das Gebiet
so vollständig eingedeutscht wurde wie die benachbarten Länder Pommern oder
Ostpreußen. Auch die Reformation setzte sich im 16. Jahrhundert nur teilweise
durch, was die polnische Assimilation des katholisch gebliebenen deutschen Bevölkerungsteils
begünstigte.
1569 wurde das Land von Polen durch einseitige Erklärung annektiert,
doch bewahrten die großen deutschen Städte wie Danzig, Thorn oder Bromberg weitgehend
ihre Selbständigkeit. 1772 kam der größte Teil des Landes durch die I. Polnische
Teilung an Preußen, 1793 durch die II. Teilung auch der ganze Rest mit Danzig
und Thorn. Erst jetzt entstand für das bisherige "Königliche (polnische)
Preußen", also für Pommerellen, Pomesanien und das Kulmerland die Bezeichnung
Westpreußen. Danzig (siehe dort) ist 1807-13 auf französischen Druck schein-selbständige
"Freie Stadt".
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Pommerellen ebenso
wie Posen (siehe Weichsel-Warthe) das Zentrum der polnischen Nationalbewegung
in Preußen/ Deutschland. Die -überwiegend ländlichen- Wahlkreise Danzig-Neustadt,
Danzig-Berent und Marienwerder-Konitz wählten von 1867 bis 1912 ununterbrochen
ausschließlich, die Wahlkreise Rosenberg, Graudenz, Thorn und Schwetz wiederholt
polnische -zumeist adlige- Abgeordnete in den Deutschen Reichstag.
Bei der Bevölkerungszählung 1910 gaben in der preußischen Provinz
Westpreußen (25.500 qkm, 1,7 Millionen Einwohner) als Muttersprache an: 65 Prozent
Deutsch, 28 Prozent Polnisch, sieben Prozent Kaschubisch. Die Kaschuben sind
als unmittelbare Nachfahren der slawischen -aber nicht polnischen- Pomoranen
anzusehen.
Im Januar 1920 wurde die Provinz infolge des Versailler Vertrages
viergeteilt: der größte Teil Pommerellens und das Kulmerland (16.000 qkm), der
sogenannte "Korridor", fielen ebenso wie der Großteil Posens ohne
Befragung der Bevölkerung an Polen, ein schmaler Streifen im Westen blieb bei
Deutschland und kam 1938 zur Provinz Pommern, der Osten kam als Regierungsbezirk
"Westpreußen"/Marienwerder (2.400 qkm) zur Provinz Ostpreußen, Danzig
mit Umland (1.900 qkm) wurde "Freie Stadt" unter dem Mandat des Völkerbunds.
Im Regierungsbezirk Westpreußen/ Marienwerder stimmten im Juli
1920 92,4 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung für den Verbleib bei Preußen
und Deutschland, nur 7,6 Prozent für den Anschluß an Polen.
In dem an Polen gefallenen Teil Pommerellens und im Kulmerland
hatten 1910 als Muttersprache angegeben: 433.000 Polnisch (45 Prozent), 412.000
Deutsch (43 Prozent), 105.000 Kaschubisch (elf Prozent). 15.000 hatten sich
als zweisprachig ausgewiesen. Durch rigide Enteignungsmaßnahmen, erzwungene
Abwanderung und zahlreiche bürokratische Schikanen wurden in den 20er Jahren
hunderttausende Deutsche aus dem Land verdrängt. Die deutsche Bevölkerung des
Gebiets der Woiwodschaft Pommerellen ging von 421.000 (1910; 42,5 Prozent) auf
176.000 (1921) und schließlich auf 105.000 (1931; 10 Prozent) zurück, die des
Gebiets der Woiwodschaft Bromberg/ Bydgoszcz (mit dem Norden der ehemaligen
Provinz Posen) von 316.000 (1910; 45,2 Prozent) auf 162.000 (1921), dann auf
96.000 (zehn Prozent) zurück. 1928 wurden vier Deutsche aus den Woiwodschaften
Pommerellen und Bromberg in den polnischen Sejm gewählt.
Nach Kriegsbeginn fielen im September 1939 5-6.000 deutsche Zivilisten
im polnischen Pommerellen und in der Woiwodschaft Bromberg polnischen Pogromen
zum Opfer ("Bromberger Blutsonntag").
Nach der deutschen Annexion und der Bildung des "Reichsgaus"
Danzig-Westpreußen (26.000 qkm mit Bromberg und dem Netze-Distrikt) 1939 wurde
der vormals polnische Teil Westpreußens zu einem der Hauptansiedlungsgebiete
Deutscher aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten: Über 40.000 Deutsche
aus Bessarabien und 6.000 Deutsch-Balten fanden hier 1939/40 vorübergehend Bleibe,
bevor sie mit der gesamten deutschen Bevölkerung 1945 flüchteten oder vertrieben
wurden.
Geht man davon aus, daß die Deutschen aus dem 1920 an Polen gefallenen
Teil Westpreußens und der Woiwodschaft Bromberg/ Bydgoszcz ebenso hohe Kriegs-
und Nachkriegsverluste hatten wie die volksdeutsche Bevölkerung der II. Polnischen
Republik insgesamt, ist anzunehmen, daß etwa 15.000 im Krieg als deutsche -zum
geringen Teil 1939 auch als polnische - Soldaten gefallen und etwa 30.000 durch
sowjetische oder polnische Exzeßtaten, Mord, Totschlag, in Lagern wie Potulitz
und Graudenz, während oder nach der Deportation in die Sowjetunion (insgesamt
aus Vorkriegs-Polen über 100.000) oder bei der Vertreibung gewaltsam ums Leben
gekommen sind. Diese Zahlen enthalten nicht die umgekommenen Danziger (siehe
dort) und den Regierungsbezirk Marienwerder. Von den als "repolonisierbar"
zurückgehaltenen Kaschuben sind in den folgenden Jahrzehnten -polnischer Bevormundung
und Gängelei überdrüssig- die meisten nach Westdeutschland ausgesiedelt.
Die Westpreußen aus Pommerellen und aus dem früheren ostpreußischen
Regierungsbezirk Marienwerder gründeten im April 1949 ihre Landsmannschaft,
über die 1960 der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Patenschaft übernahm.
Seit 1963 hat die Landsmannschaft ihren Sitz in Münster.

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